Addo nahm leweling das wort: jetzt sitzt er in stuttgart statt accra
Jamie Leweling hätte am Montag für Ghana sprinten können – stattdessen fehlt er dem DFB wegen muskulärer Probleme. Die Ironie: Schwarz-rot-goldene Medizin verhindert gerade das, was Ghanas Trainer Otto Addo seit Jahren mit Händen fangen will.
Ein gespräch, das nie endete
Otto Addo erinnert sich exakt an den Tag. Leweling lief noch für die deutsche U21, als sich beide in einem Hotelflur verplappten. „Wir hatten ein Gespräch“, sagt Addo der Funke-Mediengruppe. „Er hat einen engen Bezug zu Ghana, reist dort regelmäßig hin.“ Die Logik war simpel: Vater aus Accra, Sohn mit Doppelpass, Ghana braucht Flügelfrische. Leweling bittet um Bedenkzeit – und kassiert prompt die A-Nominierung durch Julian Nagelsmann. Seitdem ist die Deadline abgelaufen.
Oktober 2024, Leipzig, Einstand gegen Bosnien. Vier Länderspiele folgen, kein Tor, dafür unermüdliche Pressingkilometer. Die Verbandsanwärte feiern sich für das Schnäppchen, Addo verfolgt die Statistiken mit schmerzverzogenem Lächeln. „Er hätte uns sofort helfen können“, murrt der 49-Jährige. „Aber wir respektieren natürlich seine Entscheidung.“

Stuttgart wird zum schauplatz seiner zwei heimaten
Die Schmerzen kommen ungelegen. Gegen Ghana, im eigenen Stadion, hätte Leweling erstmals das Trikot seines Geburtslandes gegen das Vaterland tragen können – oder eben nicht. Die Muskelfasern melden sich, bevor das Drama beginnt. Addo reist trotzdem an, mit oder ohne den Flügelsturm des VfB.
Für Leweling bleibt die Rechnung einfach: vier Spiele für Deutschland, null für Ghana. Die Familie in Accra schaut trotzdem hin, WhatsApp-Gruppe „Leweling Global“ kocht. Vater Gilbert, einst selbst Halbprofi in Kumasi, schickt Sprachnachrichten: „Next time, Kofi.“ Der Spitzname aus Kindheitstagen klingt plötzlich weit weg.
Die DFB-Ärzte verordnen Schonung bis Montag, dann individuelles Aufbautraining. Addo plant bereits die Afrika-Cup-Quali im Juni. Ob er erneut anruft? „Wir haben die Tür nicht zugeschlagen“, sagt er. Leweling schweigt öffentlich, konzentriert sich auf den Abstiegskampf mit Stuttgart. Die Entscheidung liegt noch offen – nur die Muskeln haben sich längst verabschiedet.
