Abstiegschaos in der hbl: erlangen kassiert den nächsten k.o. – und stuttgart plötzlich wieder drin
Der HC Erlangen hat es geschafft, sich selbst zu vernichten – und das mitten in der heißesten Abstiegsphase der Jahre. Nach dem 25:21 in Wetzlar steht der Club mit 14:50 Punkten wieder auf Rang 17, zwei Zähler hinter dem rettenden Ufer. Die Rechnung ist gnadenlos: nur noch zwei Spiele, maximal vier Punkte. Die Konkurrenten haben ein Match mehr, die Tordifferenz ist schlechter. Erlangen muss jetzt zweimal gewinnen – und darf nicht zusehen, wie die anderen mitspielen.
Stuttgart zittert sich mit -124 treffern in die zielgerade
Der TVB Stuttgart dagegen kann wieder durchatmen. Der 33:26-Coup in Mannheim war mehr als ein Befreiungsschlag, er war ein Akt der Selbstrettung. Mit 16:46 Punkten springt der Klub auf Platz 15, zwei Punkte vor Erlangen. Die Tordifferenz bleibt eine tickende Bombe: -124 Treffer. Kein anderer Nicht-Absteiger liegt schlechter da. Die letzten Gegner: Berlin, Göppingen, Leipzig. Alles Teams, die nichts mehr zu verschenken haben. Es droht ein Tor-Drama bis zur letzten Sekunde.
Die HSG Wetzlar hat sich mit dem Sieg über Erlangen zwar Luft verschafft, ist aber noch lange nicht raus. Vier Punkte Vorsprung, drei Spiele – klingt komfortabel. Doch das Restprogramm ist ein Gruselkalender: Leipzig, Hamburg, Erlangen. Trainer Zvonimir Serdarušić wollte mit dem Trainerwechsel Impulse setzen, jetzt muss sein Team liefern. Ein Punkt aus den letzten drei Partien reicht vermutlich, aber „vermutlich“ zählt in der HBL nicht. Wer sich versteckt, fliegt.

Sg bbm bietigheim schießt sich selbst ins aus
Die SG BBM Bietigheim liefert das Lehrstück über Selbstzerstörung. Nach dem 23:29 gegen Erlangen schien der Knoten geplatzt, das 25:34 in Lemgo war die nächste Reality-Check. Nur noch ein Punkt Vorsprung auf Rang 17, -140 Tore. Iker Romero redet vom „Kampf bis zur letzten Patrone“, doch seine Mannschaft wirkt wie gelähmt. Das letzte Heimspiel gegen Magdeburg ist kein Geschenk, dann gastiert man in Leipzig. Wer zwei Mal verliert, ist drin in der 2. Liga.
Der 1. VfL Potsdam ist längst Geschichte. Sechs Punkte aus 31 Spielen, -176 Tore – das ist keine Saison, das ist ein Lehrbeispiel für sportliche Katastrophe. Die restlichen Spiele sind Formsache, die Planungen laufen bereits für die Zweite. Doch selbst der Tabellenletzte wird noch zur Schachfigur: Wer in den letzten Wochen gegen Potsdam antritt, kann das Torverhältnis schöner schreiben. Für die anderen ist das ein gefährliches Present.
Für den HC Erlangen bleibt nur noch die Variante „Alles oder nichts“. SG BBM Bietigheim und HSG Wetzlar – das sind zwei Finals, zwei Mal Final Four in eigener Halle. Verliert Erlangen auch nur eines dieser Spiele, ist der Drops gelutscht. Die Tordifferenz ist das Zünglein an der Waage, und die spricht gegen den Francken. 108 Tore im Minus – das ist kein Puffer, das ist ein Spiegelbild einer Saison, in der der Club zu oft den Kniefall verpasst hat.
Am Ende zählt nur die reine Mathematik: 34 Spieltag, 68 mögliche Punkte. Wer unter 20 landet, hat in der HBL nichts verloren. Die letzten drei Wochen werden nicht über Systeme oder Taktik entscheiden, sondern über Nervenstärke und den Willen, sich nicht in die Ecke drängen zu lassen. Die Abstiegszone ist kein Zufall, sie ist das bittere Ergebnis von 30 Spielwochen Leistung. Wer jetzt noch zittert, hat sie verdient.
