Abnehmen? sport allein bringt sie nicht ans ziel!

Die Fitnessindustrie verkauft uns seit Jahren das Märchen vom Schweiß als Wundermittel gegen die Pfunde. Doch der renommierte Ernährungswissenschaftler Tim Spector entzaubert diese Vorstellung mit drastischer Klarheit: Sport allein reicht nicht aus, um abzunehmen. Seine These wirft ein Schlaglicht auf die oft irreführenden Ratschläge, die uns ständig vorgegaukelt werden.

Der körper trickst uns aus

Der körper trickst uns aus

Spector, Professor am King’s College London und einer der führenden Experten für das Darmmikrobiom, erklärt in einem Interview mit El Confidencial, dass zahlreiche Studien zeigen, dass vermehrte körperliche Aktivität allein kaum einen Effekt auf die Reduktion des Körperfetts hat. Der menschliche Körper ist erstaunlich anpassungsfähig und kompensiert den erhöhten Energieverbrauch durch Bewegung auf vielfältige Weise. Das führt dazu, dass unser Appetit steigt oder der Grundumsatz sinkt. Kalorien werden verbrannt, aber der Körper findet Wege, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Das ist eine bittere Pille für alle Sportbegeisterten, die auf die magische Wirkung von Bewegung gesetzt haben.

Es geht um die Qualität, nicht die Quantität Natürlich bedeutet das nicht, dass Sport schlecht ist. Im Gegenteil: Er ist essenziell für die Herz-Kreislauf-Gesundheit, den Muskelaufbau und das psychische Wohlbefinden. Aber wenn das Ziel primär die Gewichtsabnahme ist, liegt der Fokus eindeutig falsch. Spector plädiert für eine radikale Neubewertung unserer Ernährungsgewohnheiten. “Das Gewicht hängt wesentlich mehr davon ab, was man isst, als davon, wie viel man sich bewegt”, fasst er seine Position zusammen. Der starre Ansatz von “Kalorien rein, Kalorien raus” wird als veraltet und irreführend kritisiert. Vielmehr müsse man die Qualität der Lebensmittel und deren Einfluss auf den Stoffwechsel und das Darmmikrobiom in den Mittelpunkt stellen.

Diese Sichtweise deckt sich mit einer wachsenden Bewegung innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft, die restriktive Diäten und rein auf Kalorienzählung basierende Ansätze in Frage stellt. Stattdessen rät Spector zu nachhaltigen, abwechslungsreichen Ernährungsweisen, die reich an unverarbeiteten Lebensmitteln sind. Es ist eine Aufforderung, sich von kurzfristigen Trends zu lösen und langfristig gesunde Gewohnheiten zu etablieren. Die Debatte, die Spectors Aussagen erneut anheizen, ist unbequem, aber notwendig. Denn wenn mehr Bewegung nicht zum Abnehmen führt, liegt das Problem vielleicht nicht in mangelnder Anstrengung, sondern in einem falschen Ansatz. Und das verkauft leider nicht so gut wie eine zusätzliche Stunde auf dem Laufband. Die Wahrheit ist: Wer ernsthaft abnehmen will, muss seine Ernährung grundlegend überdenken – und damit auseinandersetzen, dass der Körper schlauer ist, als wir ihm zutrauen.