68 Prozent der italiener meiden bus und bahn – das land versinkt im stau

Die Zahlen sind ein Schlag ins Gesicht: 68 Prozent der Italiener steigen nie in einen Bus, niemals in die U-Bahn, nie in einen Zug. Das meldet Eurostat für 2024. Nur Zypern schneitet schlechter ab. Folge: Staus bis zum Horizont, 34 Milliarden Euro Gesundheitskosten jährlich – und ein Atem, der in Mailand und Rom schon wieder nach Diesel schmeckt.

Die bahn bleibt aus, die abgase bleiben

Die bahn bleibt aus, die abgase bleiben

Die Statistik ist keine Frage des Geldes. Arme und Reiche meiden die öffentlichen Verkehrsmittel gleichermaßen. 69 Prozent der besser gestellten Männer fahren nie mit dem Bus, 66 Prozent der Frauen. Die Infrastruktur fehlt oder gilt als dreckig, unpünktlich, unsicher. Alessandro Miani, Präsident der italienischen Gesellschaft für Umweltmedizin, rechnet vor: Senkt man die Feinstaubwerte um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter, sinkt die Sterberate um sieben Prozent, Herzinfarkte sogar um 26.

Die Konsequenz steht auf den Straßen. Rom verliert 76 Stunden pro Jahr im Stau, Mailand 67. Inrix misst dichteste Stop-and-go-Dichte Europas. 26 Prozent der italienischen CO₂-Emissionen stammen aus dem Verkehr, 50 Prozent der Stickoxide, ein Drittel der PM10-Partikel. Das Land fährt sich gesundheitlich an die Wand – und zwar mit 20 km/h Durchschnittstempo.

Gianpiero Strisciuglio, Präsident des Transportverbandes Agens, fordert Planung statt Pannen: „Wir können nicht allein die Kosten tragen, während Politik und Kommunen Investitionen aufschieben.“ Die nächste Milliarde sitzt allerdings im Auto. Solange der Sprit billiger bleibt als ein Monatsticket, bleibt das Lenkrad König – und die Lunge der Städte sein Leidtragender.