600 Spiele, zwei punkte, ein auftrag: zgraggen zwingt ajoie an die wand

Die Scheibe rutscht, die Sekunden ticken – und Jesse Zgraggen schreitet in die Zone, als hätte er sie nie verlassen. Mit dem 600. NL-Einsatz in Serie droht Ambri-Piotta den HC Ajoie in die Verzweiflung zu treiben: 2:0 in der Playout-Serie, ein Verteidiger in Bestform, ein Club kurz vor dem Klassenerhalt.

Ein abwehrboss, der tore schießt und seelen bricht

Seit 2018 trägt Zgraggen das biancoblu-Trikot, doch selten war seine Präsenz so wertvoll wie jetzt. Zweimal in zwei Spielen punktete der 32-Jährige – Assist, Anspiel, Powerplay-Überzahl, Biss. Die Statistik dahinter: 599 Vor-Spiele, 129 Punkte, ein Plus-Minus, das sich seit Januar nur nach oben bewegt. Die Botschaft: Er kommt nicht nur zur Feier, er kommt, um zu versiegeln.

Die Leventiner-Fans wissen es. In der Valascia tobt seit Spiel eins eine Wand, die Ajoies Top-Linie laut Stimmen aus dem Lager der Gäste „zerquetscht wie eine Zitrone“. Die Serie ist keine Serie mehr, sie ist eine Abfuhr. Und mitten drin: der Mann mit der Nummer 24, dessen Schlittschuhe nach jedem Bully frisches Eis zerfetzen.

600 Ist nur die halbe wahrheit

600 Ist nur die halbe wahrheit

Die National League feiert Einsatz 600, doch im Kabinengang zählt nur der nächste Schritt. Ambri kann morgen mit einem Sweep die Qualifikationsangst beenden – und Zgraggen würde zum ersten Schweizer Verteidiger seit Mark Streit avancieren, der in 13 Jahren nie in die Relegation musste. Sein Geheimnis? „Ich schaue nicht auf die Zahl, ich schaue auf den Gegner“ – ein Satz, den er nach dem 4:1 am Dienstagabend mit rauer Stimme in die Kameras wirft, während die Uhr im Gang schon Spiel vier anpeilt.

Die Ajoie-Bank dagegen wirkt wie geleakt. Trainer Kevin Schläpfer wechselt, schreit, zerbricht sich die Stimme – vergeblich. Seine Topscorer haben in zwei Partien gerade mal neun Torschüsse abgefeuert, drei davon von Zgraggen persönlich blockt. Die Serie ist längst zur Psychologiefrage geworden: Wer zuerst glaubt, verliert. Ambri glaubt – und lässt Ajoie dafür zahlen.

Die Rechnung ist simpel: Gewinnt Ambri Spiel drei, ist die Relegation nur noch Theorie. Dann bleibt den Jurassierern nur die Wildcard-Hoffnung – ein Gedanke, der ihre Kabine schwerer macht als jedes Gewicht im Fitnessraum. Zgraggen selbst will den Sekt nicht kaltstellen: „Wir schließen es ab, dann lasse ich mir die 600 auf den Helm gravieren.“ Keine Rhetorik, keine Show – nur kalte Absicht.