48 Teams, ein ziel: die wm 2026 steht, und einige großmächte zittern noch
Die Nacht der letzten Tickets ist vorbei. In Katar jubelte Neuseeland, in Wien jubelte Schweden, und irgendwo zwischen Belgrad und Pristina verabschiedete sich Polen mit leeren Händen. Jetzt ist klar: Die WM 2026 wird mit 48 Nationalteams gespielt – und mit mindestens sieben Debütanten, die nie zuvor auf dieser Bühne standen.
Die Erweiterung des Turniers war keine technische Fußnote, sondern eine okonomische Kampfansage an den Rest der Welt. Mehr Spiele, mehr Stadien, mehr Werbeblöcke. Die FIFA rechnet mit fünf Milliarden Dollar zusätzlichem Umsatz. Die Fans rechnen mit einem Monat voller Gruppenphase, in der fast jeder zweite Sieg schon fürs Weiterkommen reicht. Die Logik des Sports gerät ins Wanken, die Logik des Geldes gewinnt.
Die letzten atemzüge der quali
Im Wiener Praterstadion schoss Sebastian Nanasi Schweden gegen Polen in die Verlängerung. Die Schweden hatten 23 Abschlüsse, die Polen nur noch Hoffnung. Als der Schlusspfiff ertönte, stand Robert Lewandowski mit offenem Mund da, als hätte er das Tor vergessen. Für ihn wird es keine fünfte WM geben. Für Zlatan Ibrahimovic im VIP-Rang war es ein Triumph im Anzug: sein Land fährt, er nicht.
Parallel kämpfte Türkei gegen Kosovo. Die Gäste glichen in der 90. Minute aus, doch Arda Güler schoss in der 103. Minute den Ball so knapp unter die Latte, dass die Netzkonstruktion zitterte. 2:1, Ticket gebucht, Traum lebendig. Die Türkei ist wieder dabei, nach 20 Jahren WM-Abstinenz.

Die neue landkarte der macht
Die alten Dominatoren müssen sich neu sortieren. Argentinien und Brasilien sind zwar qualifiziert, aber beide mussten in der CONMEBOL-Gruppe bis zum letzten Spiel zittern. Uruguay schaffte es nur dank eines 1:0 in Bolivien, Ecuador patzte in Paraguay. Südamerika liefert keine Selbstläufer mehr.
Asien dagegen lacht. Japan blieb ungeschlagen, Südkorea spielte sich mit 23 Toren in einen Rausch, und Jordanien qualifizierte sich erstmals – dank eines 3:0 gegen Iraq, in dem Musa Al-Taamari zweimal traf und dann weinte wie ein Kind. Die Bilder gingen um die Welt, weil sie erzählen, was Sport noch kann: ein kleines Land auf die große Bühne heben.
Afrika liefert neun Teams, darunter Cabo Verde, Inselstaat mit 500.000 Einwohnern. In Mindelo feierten sie bis in die Morgenstunden, tanzten auf Pick-ups und schrien „Crioulo Power“ in die Nacht. Für sie beginnt die WM schon jetzt, egal was im Juni 2026 passiert.

Was auf dem spiel steht
Die USA, Kanada und Mexiko haben sich nicht nur die Austragung gesichert, sondern auch ein politisches Statement. In Zeiten handelsrechtlicher Spannungen wird aus dem Sport ein Soft-Power-Instrument. Die drei Verbände planen gemeinsame Fan-Zonen über die Grenzen hinweg. Die Botschaft: Trotz Mauern und Zöllen bleibt der Fußball offen. Ob das funktioniert, wird sich zeigen, wenn in Mexiko-Stadt Argentinier und Iraner aufeinandertreffen.
Für Europa wird die Gruppenphase zur Geduldsprobe. Deutschland trifft in der Vorrunde auf Ghana und Jordanien – Spiele, die laut interner Analyse „nur“ 80 Millionen Euro TV-Geld einbringen, aber trotzdem 180 Reisetage kosten. Die DFB-Delegation buchte schon jetzt drei Hotels, weil niemand weiß, ob nach der Vorrunde Schluss ist. Die Angst vor dem kleinen Gegner ist realer als je.
Die Erweiterung auf 48 Teams wird viele Dinge ändern, aber eins nicht: Die WM bleibt ein Monat lang Mittelpunkt der Welt. Ob Kylian Mbappé in New York trifft oder Victor Osimhen in Toronto – die Geschichten schreiben sich selbst. Und wir werden dabei sein, sie zu erzählen. Die Reise beginnt jetzt, nicht im Juni 2026. Die 48 sind komplett, und einer von ihnen wird Geschichte schreiben. Die Wette gilt: Es wird nicht der sein, den alle erwarten.
