420 Quadratmeter flagge, flamenco-version der hymne: sainz entfacht madring-show
Carlos Sainz startet durch. Die riesige rote Fahne spannt sich über die Tribüne, ein Mustang brüllt im Flamenco-Rhythmus – und der Madrider pilotiert seine Williams als Erster über die neue Strecke. Die Premiere des Madring ist lauter, bunter und emotionaler, als die Formel 1 es seit Jahren erlebt hat.
La monumental – die kurve, die motoren zerreißt
Sainz drückt das Gaspedal durch, kurz bevor die Asphaltspirale nach oben schießt. „Fast 180 Grad, massive Steigung, der Reifen wird schreien“, flüstert er ins Mikro. Er spricht von der Monumental, einer Linkskurve, die sofort zum Markenzeichen wird. Kein anderes Layout zwingt Aerodynamik und Antrieb auf diese Weise. Wer hier die falsche Linie wählt, verliert im Sekundentakt.
Seine Analyse ist nüchtern: „Die Hauptlinie liegt unten, da spart man Meter. Oben gibt es Luft für Überholmanöver, aber nur, wenn das Auto hinten sitzt und der Fahrer wagt.“ Drei enge Ausgangspunkte identifiziert Sainz: die Kurve 1 nach dem Start, die Kurve 4 am Ende der langen Gegen- und die vorletzte Kehre, wo die Bremsen glühen.

Podium? vielleicht – wenn die rakete besser wird
Die Frage nach dem Ziel jeder Runde beantwortet Sainz mit einem Schulterzucken. „Madring bleibt im Kalender, ich habe noch Jahre Zeit. Ein Podium wäre ein Geschenk, aber die Lücke zu den Top-Teams ist riesig.“ Er zitiert Pierre Gasly, der in Monaco aus dem Nichts aufs Treppchen fuhr. „Wenn die Safety-Car-Phase kommt und der Williams bis dahin schneller ist – warum nicht?“
Das Upgrade für den FW47 soll in der Saisonmitte eintreffen. Mehr Downforce, besseres Kerb-Verhalten. Sainz’ Chefingenieure rechnen damit, dass sie sich in der zweiten Saisonhälfte mit Alpine und Haas anfreunden können. Doch bis dahin gilt: jeder Punkt ist ein Coup.

Von montmeló-lektion zu heimspiel-hoffnung
Barcelona-Test, katastrophal. So fasst Sainz den vergangenen Grand Prix zusammen. „Wir starteten mit dem falschen Setup und fuhren hinterher.“ Madring bietet dem Spanier eine neue Chance. „Die Strecke hat alles: lange Geraden, harte Bremszonen, schnelle Mittelgeschwindigkeits-Kurven. Das könnte uns entlasten.“ Das Stichwort lautet Energiemanagement. Die Hybrid-Batterie wird am Ende der Gegengeraden leer sein, doch vorher laden die Piloten in drei aggressiven Bremsattacken wieder auf.

Schatten der selección – und ein blick nach vorn
Abseits des Asphalts lenkt Sainz den Blick auf die Fußball-WM. „Ein Spiel entscheidet keinen Titel, 2010 haben wir das bewiesen. Spanien steht wieder auf, das sehe ich an der Haltung der Jungs.“ Seine Stimme klingt ruhig, fast väterlich. Dann schwenkt er zurück zur Formel 1. „Ich bin in fünf Teams gefahren – wenn wir Williams wieder in die Spur bekommen, bleibt auch ich länger.“
Die ersten Simulatorläufe starten in wenigen Tagen. Die Daten der Laserscanner fließen bereits ins Fahrwerk. Sainz lacht: „Die Kollegen quatschen alle über die Kurvenradien, aber ich war schon mit dem Mustang draußen. Da habe ich den echten Grip gemessen.“
Die 420-Quadratmeter-Fahne flattert noch, als die Boxencrew die Garage schließt. Ein letzter Satz hallt: „Diese Strecke verlangt Mut – und ich habe noch reichlich davon.“
