1973 – Das erste bundesliga-trikot mit werbung: jägermeister rettete eintracht braunschweig
Am 24. März 1973 schickte Eintracht Braunschweig den DFB in Panik. Auf der Brust der Spieler prangte ein Hirsch – nicht mehr der Löwe, sondern das Wappentier von Jägermeister. 90.000 Mark flossen für diesen Coup, und die Bundesliga wechselte für immer ihr Gesicht.
Dfb blockierte, braunschweig trickste
Günter Mast, Spirituosen-Milliardär und Klubfreund, wollte mehr als nur Logenplätze. Er wollte sein Produkt ins Fernsehen bringen, mitten in die Sportschau. Der DFB stellte sich quer, Schiedsrichter erhielten intern den Befehl, Spiele mit „besetztem“ Trikot nicht anzupfeifen. Die Partie gegen Schalke drohte zu platzen. Mast blieb cool. Seine Lösung: Der Hirsch rückte ins Vereinswappen, offiziell ein neues Logo, faktisch eine riesige Werbefläche. Die Richter am Bundesgerichtshof hatten keine Handhabe mehr, die Liga lief – und Jägermeister war über Nacht im Gespräch.
Die Folge war ein Kettenreaktion. Innerhalb weniger Wochen klebten Campari auf den Shirts des HSV, Remington auf denen von Eintracht Frankfurt, Brain Scott in Duisburg und Allkauf in Düsseldorf. Die Trikotwerbung war nicht länger ein Störfaktor, sondern die Rettung für Klubs, die bis dahin nur Eintritt und Merchandising kannten. Paul Breitner urteilte später, Mast habe „den größten wegweisenden Schritt in der Geschichte der Bundesliga“ gemacht.

Vom löwen zum hirsch und zurück
Die Spieler selbst spürten den Schub. Einmal im Fernsehen, winkten neue Geldscheine. Die 90.000 Mark von 1973 entsprechen umgerechnet rund 400.000 Euro heute – für einen Traditionsklub, der damals kurz vor dem finanziellen Kollaps stand, ein Sechser im Lotto. Mast probierte gar, den Klub in „Jägermeister Braunschweig“ umzutaufen; die Idee scheiterte an der Mitgliederversammlung, aber das war egal. Die Marke war längst im Kopf der Bundesliga-Fans verankert.
1987 kehrte der Löwe auf die Brust zurück – ein Symbol für die Rückbesinnung auf Tradition. Doch die Kasse blieb offen für neue Partner. Heute zahlen Top-Klubs dreistellige Millionenbeträge für Platzierungen, die einst mit einem einzigen Hirschkopf begannen. Ohne den 24. März 1973 gäbe es keine Fly-Emirates-Bündnisse, keine Qatar-Airways-Deals, keine globalen Markenkriege auf 80 x 90 Zentimetern Stoff.
Die Legende lebt. In Braunschweig erzählen Vereinsveteranen noch, wie ein kühler Unternehmer und ein verzweifelter Klub der Liga das Geschäftsmodell erfunden haben, das heute Milliarden umsetzt. Der Hirsch war nur das erste Tier im Revier – danach folgten Flugzeuge, Autos, Zahlungsdienstleister, Kryptobörsen. Der DFB protestierte, verlor – und kassierte mit. Und Günter Mast? Er lächelte, trank einen Schluck auf den Erfolg und wusste: Diskussion ist die beste Werbung, die man kaufen kann.
