195.000-Euro-bluff: leerdams vermeintlicher gold-anzug entpuppt sich als fälschung

Es war der Auktionsschock schlechthin. Für 195.000 Euro schlug ein anonymer Sammler zu – und glaubte, den originalen Eisschnelllauf-Anzug von Jutta Leerdam zu ersteigern, in dem die Niederländerin in Mailan über 1000 Meter olympisches Gold sprintete. Doch jetzt rächt sich die Euphorie: Das teure Stück ist nichts weiter als ein hochpreisiger Fake.

Der anzug, der nie olympia sah

MatchWornShirt, die Plattform, die im Auftrag von NOCNSF und dem niederländischen Eisschnelllaufverband Trikots versteigert, musste die Bombe entschärfen. Nach internen Prüfungen und Gesprächen mit Athletinnen und Betreuern stellte sich heraus: Der orange-blau gespritzte Einteiler wurde niemals bei den Spielen in Mailan getragen. Statt „matchworn“ ist das Teil nur „team issued“. Die Nennung „getragener Wettkampfanzug“ wurde gestrichen, der Status reduziert auf lapidaren „Olympischer Eisschnelllaufanzug“.

Was genau der Käufer für seinen Sechser erhalten hat, bleibt im Dunkeln. Hersteller, Chargennummer, Fertigungsdatum – alles ungenannt. Nur so viel: Die Seide stammt aus derselben Kollektion, die Leerdams Staff an die Startbahn liefern ließ. Ob der Anzug jemals Eis berührte, ist nicht belegt. Fraglich bleibt auch, warum erst nach Auktionsschluss und Zahlungseingang die Unstimmigkeiten aufflogen.

Reaktionen und finanzielle folgen

Reaktionen und finanzielle folgen

Der Höchstbietende wurde informiert, eine Rückabwicklung ist laut NOCNSF nicht vorgesehen. Schließlich fließt der Erlös „zu 100 Prozent in die Jugendförderung“, wie ein Sprecher betonte. Kleiner Trost für den Sammler: Die 195.000 Euro sollen künftige Leerdams finanzieren – vielleicht holt dann deren Anzug tatsächlich Gold.

Die 27-jährige Sprint-Queen selbst reagiert gelassen. Nach ihrem Doppel-Erfolg in Mailan (Gold 1000 m, Silber 500 m) stand sie ohnehin im Fokus der Sponsoren. Ihre Bestzeiten – 1:12,31 Minuten über die Langstrecke – sprechen lauter als jeder Sammlerwahn. Ob der echte Gold-Anzug irgendwo in einem Koffer verstaubt oder bereits in Einzelstücke zerschnitten wurde, bleibt ihr Geheimnis. Fest steht: Ein 195.000-Euro-Preis kann auch eine Warnung sein – in Sport und Markt gleichermaßen.