1860 Trauert: karsten wettberg stirbt mit 84 – der könig von giesing ist tot

Karsten Wettberg ist tot. Der Mann, der 1860 München 1991 aus der Amateurliga zurück in den bezahlten Fußball katapultierte, starb am Sonntag in Wasserburg am Inn. Er wurde 84 Jahre alt, die Todesursache: eine lange Krankheit. Mit ihm verliert der Klub das letzte große Original der wilden Neunziger.

Der aufstieg, der alles veränderte

1991 stand der TSV 1860 in der Bayernliga, drei Jahre nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga. Die Löwen spielten vor 1.500 Zuschauern, Schulturnhallen dienten als Umkleide. Wettberg, gerade vom Lokalrivalen FC Bayern entlassen, übernahm ein Desaster und machte daraus eine Religiös­ion. Seine Mittel: rabiate Ehrlichkeit, ein Dauerkonflikt mit der Vereinsführung und ein 3-5-2-System, das die Gegner mit Manndeckung zerlegte. Am 8. Juni 1991 schoss Harald Cerny in Passau das 2:0, der Aufstieg war perfekt. Die Fans rissen Wettberg die Klamotten vom Leib – der Trainer beendete das Interview mit dem Bayerischen Rundfunk in Unterhose und wurde trotzdem zum „König von Giesing“ erklärt.

Die Löwen schafften direkt den Durchmarsch in die 2. Bundesliga, 1994 folgte der Aufstieg in die Bundesliga. Wettberg war längst weg, aber der Grundstein trägt seinen Namen. Ohne seine erste Saison gäbe es keine Sechzger-Renaissance, keine 23.000 Dauerkarten, keine wilden Pokalnächte gegen Barcelona.

Der mythos lebt im sechzger herz weiter

Der mythos lebt im sechzger herz weiter

Wettberg blieb lebenslang Löwe, auch wenn der Klub ihn 1992 entließ. Er kehrte als Co-Trainer, Scout, Stadionsprecher zurück, sprach beim Oktoberfest auf der Wiesn über Taktik und rauchte dabei Zigarillos. Seine Sprüche gingen in den Vereinsdschungel ein: „In Giesing braucht man kein Fernsehen, wir haben genug Bühne.“ Die Choreografien der Fans zitierten ihn, die Südkurve sang sein Spitznamenlied bis zuletzt.

Am Samstag trägt 1860 gegen Waldhof Mannheim Trauerflor. Die Spieler werden mit schwarzen Bändern auflaufen, die Gäste werden sich verwundert die Augen reiben. Dabei ist es nur konsequent: Wer die Seele eines Vereins prägt, stirbt nie wirklich. Wettbergs Leiche ruht in Wasserburg, aber sein Lachen hallt immer noch durch die Grünwalder Straße.