17-Jährige trocker schockt weltcup-stars – slalom-top 10 als tagträum
Anna Trocker ist noch nicht volljährig, schon jetzt aber vollends nervenstark. Beim Slalom-Finale in Lillehammer fuhr die Südtirolerin am Sonntag als Neunte ins Ziel – und ließ etablierte Größen wie Lena Dürr oder Camille Rast hinter sich. Das ist keine Randnotiz, das ist ein Vorgeschmack auf die nächste Dekade.
Was niemand am Hang erwartete: Nach dem ersten Lauf nur auf Platz 15, riss Trocker im zweiten Durchgang alles weg. Ihre Laufzeit war die schnellste des Feldes, geteilt mit der späteren Vierten Katharina Truppe. Mikaela Shiffrin gewann, klar – aber die eigentliche Geschichte war ein schmales Mädchen aus dem Passeiertal, das in 52 Sekunden die Alpine-Welt durcheinanderwirbelte.
Junioren-wm als ticket, adrenalin als treibstoff
Die 17-Jährige hätte beim Finale gar nicht starten dürfen, wäre da nicht ihr Doppel-Triumph in Narvik vor vier Wochen. Mit Gold im Slalom und Riesenslalom gegen Konkurrentinnen, die teils vier Jahre älter sind, erkämpfte sie sich die Wildcard. Trainer Stefan Scherer sagt: „Anna glaubt nicht an Limits. Sie definiert sie um.“
Im Eurosport-Interview atmete Trocker tief durch: „Ich bin müde, glücklich, überfordert – alles auf einmal.“ Dann lachte sie, dass die Zähne des Mikrofons klirrten. „Solch eine Saison hätte ich mir nie erträumt. Olympia, Junioren-Weltmeisterin, jetzt Weltcup-Punkte – das ist wie eine Achterbahn ohne Bremse.“

Mittwoch folgt der riesenslalom – und der plan hat nur eine stufe
Am Mittwoch steht in Hafjell der letzte Bewerb des Winters an. Trocker wird wieder in der Startliste stehen, wieder ohne Druck, aber mit dem Anspruch, „alles reinzulegen“. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Kristallkugel längst vergeben ist. Für sie zählt einzig die Uhr – und die tickt inzwischen nach ihrem Rhythmus.
Die Alpine Szene schaut nach vorn. Neue Namen sind gefragt, seit Shiffrin langsam den Bogen Richtung Karriereende zieht. Mit Trocker könnte die Lücke kleiner werden, als gedacht. Und sie selbst? Die will erst einmal zuhause die Skistiefel ausziehen, die Schularbeiten nachholen – und im Sommer wieder ans Limit gehen. Denn wer mit 17 schon die Bestzeit im Weltcup vorlegt, dem glaubt man, wenn er sagt: „Mir reicht heute noch nichts.“
