16 Jahre warten, ein zusatzpunkt, dann purer jubel: sv 90 fehrbellin krönt sich zum zweiten mal

Die Kugel rollte, die Kehre nahm ihren Lauf und die 35 cm schmale Bohlebahn wurde zur Achterbahn der Gefühle. Am Samstagabend standen die Kegler des SV 90 Fehrbellin mit leeren Bahnen da, hatten das Derby gegen Aufsteiger SG Eberswalde mit 1:2 verloren – und trotzdem war der Meister schon feststehend. Ein einziger Zusatzpunkt reichte, um die 16-jährige Durststrecke zu beenden und den zweiten Stern über dem Wappen zu versetzen.

Die schönste niederlage folgt am sonntag

„Es ist ein wunderbares Gefühl. Wir sind glücklich, dass wir es geschafft haben“, sagt Abteilungsleiter Peter Wolski mit jener Stimme, die klingt, als hätte sie die letzten Tage nur noch aus Adrenalin gespeist. Am Sonntag kam dann die 0:3-Pleite gegen Union Oberschöneweide – die alte Meister, die nun abgelöst wurden. Für Wolski war das kein Beinbruch, sondern „die schönste 0:3-Niederlage, die wir bisher hatten“. Die Spieler ließen sich trotz Kopfschmerzen von der Nacht zuvor noch einmal in die Wolle kriegen, weil sie wussten: Der Titel ist unantastbar.

Die Szenerie erinnert an 2020, als Corona den Traum abwürgte – die Saison wurde abgebrochen, Fehrbellin lag vorn und blieb ohne Krönung. Auch 2025 lieferte sich der Verein aus Ostprignitz-Ruppin ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Union, das sich erst am letzten Spieltag zugunsten der Berliner entschied. Nun kehrte sich das Blatt. Die Liga der zwölf besten Bohleclubs hat mit sechs Teams aus Berlin und Brandenburg eine klare Regionaldominanz – und Fehrbellin setzt das Ausrufezeichen.

23,5 Meter bis zur euphorie

23,5 Meter bis zur euphorie

Die Bohlebahn ist ein fieser Mikrokosmos: 23,5 Meter lang, 10 Zentimeter Höhenunterschied, kaum breiter als ein Schulheft. Schon ein Hauch Abweichung im Auflagepunkt lässt die 2,8-Kilo-Kugel in unkontrollierbare Bahnen abdriften. Genau diese Millimeterarbeit haben die Fehrbelliner in der Endphase der Saison perfektioniert. Nach 22 Spieltagen steht die Bilanz: 15 Siege, 4 Remis, 3 Niederlagen – und ein Torverhältnis von 1.378:1.101. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Dominanz auf schmalster Flur.

Die Meisterfeier wurde zur spontanen Volksfest-Szene im Vereinsheim. Die Hymne „We are the Champions“ war noch nicht zu Ende, da stand schon der nächste Fassanstich bereit. Für den nächsten Gegner im Pokal, die SG Eberswalde, wird es jetzt darum gehen, sich an dieselbe Stelle zu stellen und den Pokal zu kippen. Für Fehrbellin heißt es: Abstiegsangst ade, Meistersommelier geworden. Die Kugel rollt weiter – nur dass sie jetzt golden glänzt.