Zwei minuten, ein schuss, ein debakel – dsv-staffel stürzt ins historische tief

Kontiolahti – zwei Minuten Zeitstrafe, ein einziger vergessener Schuss, und aus einem normalen Weltcup-Sonntag wurde die schwärzeste Staffel-Panne der deutschen Biathlon-Geschichte. Marlene Fichtner vergaß im Liegendschießen die achte Patrone, lief weiter, kassierte die automatische Strafe – und katapultierte Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und Vanessa Voigt auf Rang 16, 6:35 Minuten hinter dem souveränen Sieg Schwedens.

Die 22-Jährige hatte die Warnung nicht gesehen. „Auf der Strecke wurde mir klar: Ich hab mindestens dreimal nachladen müssen“, sagte sie dem ZDF, während die Konkurrentinnen längst im Ziel lachten. Der IBU-Regelparagraph ist unerbittlich: Wer in der Staffel einen Schuss nicht abgibt, obwohl nicht alle Scheiben getroffen sind, erhält zwei Minuten Strafe – nicht eine Strafrunde, sondern direkte Zeit.

Der fehler, der keiner sein wollte

Die Szene verlief im Sekundentakt. Fichtner drückte sieben Mal, vergaß die achte Patrone, das Sternchen blinkte, sie glaubte an einen Treffer. Als die Jury nach dem Stehendschießen die Strafe nachträglich verhängte, war das Quartett schon auf dem letzten Rang. Selbst ihr blitzsauberes Stehendschießen in 18,8 Sekunden konnte das nicht mehr kitten. „Es tut mir total leid für die Mädels, die sich alles aus dem Rucksack gelaufen haben“, sagte Fichtner, die am Freitag und Samstag noch Top-Platzierungen gefeiert hatte.

Die Zahlen sind gnadenlos: Erstmals seit Einführung der Frauen-Staffel 1989 landete eine deutsche Formation außerhalb der Top 15. Selbst 2021 in Antholz, als damals drei Strafrunden fielen, wurde noch Zwölfter. Die Laufzeit reichte heute nur für Rang 17, die Schießzeit war ohnehin gestrichen. Michael Rösch, Olympiasieger und Eurosport-Experte, atmete tief: „Es war tatsächlich so – ein einziger Schuss, der nicht kam. Das kann passieren, aber es ging heute komplett in die Hose.“

Was bleibt, ist ein lehrstück

Was bleibt, ist ein lehrstück

Schweden jubelte über den zweiten Saisonsieg, Frankreich und Norwegen folgten auf dem Podest. Für das DSV-Team bleibt ein Lehrstück in Sachen Nervenkontrolle. Bundestrainer Kristian Mehringer wird die Trainingspläne überdenfen: Keine zusätzlichen Schussreihen, sondern mentale Automatismen stehen auf dem Programm. Die nächste Chance kommt bereits in zwei Wochen in Oslo – und Fichtner wird wieder auf Position eins stehen. Denn wer nach einem solchen Fehr aufsteht, beweist Charakter. Die Geschichte der deutschen Staffel war noch nie linear – und genau das macht sie menschlich.