Zverev vor dem größten triumph: kann er jetzt geschichte schreiben?

Die Frage hallt durch Roland Garros, ein Echo aus besseren Handballzeiten: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Für Alexander Zverev (29) ist es mehr als nur ein eingängiger Refrain, es ist eine existenzielle Frage nach seiner Karriere. Nach fast zwei Jahrzehnten, in denen er das Tennis dominierte, steht er vor dem Sprung – dem ersten Grand-Slam-Titel.

Die chance seines lebens: zverev im rampenlicht

Die Bühne ist bereitet. Die üblichen Verdächtigen, die das Tennis in den letzten Jahren beherrschten, sind ausgeschieden. Carlos Alcaraz, der Weltranglisten-Zweite, musste seine Teilnahme aufgrund einer Handverletzung absagen. Jannik Sinner, Nummer 1 der Welt, scheiterte früh am Turnier, gezeichnet von der Hitze. Zverev, Olympiasieger von Tokio 2021 und mehrfacher Masters-Champion, hat die Chance, die er sich so lange erarbeitet hat.

Er erinnert sich sicherlich an das bittere Gefühl der Niederlage bei den US Open 2020 gegen Dominic Thiem, nur zwei Punkte vom Titel entfernt. Oder an den klaren Verlust gegen Sinner bei den Australian Open 2025. Doch diese Schatten der Vergangenheit scheinen im gegenwärtigen Moment verblasst. Die Umstände sind ideal, das Momentum liegt auf seiner Seite.

Es wäre ein Triumph, der ihn in die Tennisgeschichte eintragen würde. Goran Ivanisevic benötigte 48 Versuche, bevor er 2001 Wimbledon gewann. Zverev könnte diesen Rekord übertreffen und gleichzeitig den Zweifel an seinem Können, der ihn seit Jahren begleitet, endlich zerstreuen. Die Experten hatten einst prophezeit, er werde Boris Beckers sechs Grand-Slam-Titel übertreffen. Die Zeit vergeht, aber die Chance ist real.

Konzentration auf den gegner: rafael jodar am montag

Konzentration auf den gegner: rafael jodar am montag

Zverev wirkt fokussiert, trainiert und mental stabil – ein Mann, der seinen Zweck kennt. Sein nächster Gegner ist Rafael Jodar (19), ein aufstrebendes spanisches Talent, das sich in dieser Sandplatzsaison rasant verbessert hat. „Er ist fantastisch“, lobt Zverev. „Seine Entwicklung ist beeindruckend. Er spielt ein fantastisches Tennis.“ Die Aufgabe ist klar: Konzentration auf den Einzelnen, Schritt für Schritt. Der Druck der Erwartungen scheint ihn nicht zu erdrücken.

Das Turnierfeld ist inzwischen stark dezimiert. Zverev ist der einzige Spieler unter den Top 5, der noch im Rennen ist, was ihm eine gewisse Vorzugsrolle einbringt. Obwohl er in den bisherigen Matches mehr Zeit auf dem Platz verbracht hat als sein junger Gegner, glaubt er, dass Jodars Jugend und schnelle Regeneration ihm einen Vorteil verschaffen könnten.

Ein mögliches Halbfinale gegen Jakub Mensik (20) oder Joao Fonseca (19) – letzterer besiegte überraschend Novak Djokovic (39) – lässt weitere spannende Duelle erwarten. Im Finale könnte er auf Juan Manuel Cerundolo (24) treffen, der Sinner sensationell zurückgeworfen hat, oder auf Felix Auger-Aliassime (25), den zweitbesten verbliebenen Spieler. Auch ein Wiedersehen mit Flavio Cobolli (24), gegen den Zverev bereits das Halbfinale in München verlor, aber kurz darauf in Madrid deutlich gewann, ist möglich.

Die statistischen Fakten sprechen für Zverev: Gegen alle bisherigen Gegner, außer Cerundolo, hat er eine positive Bilanz. Das Wetter am Finaltag soll sommerlich warm werden, mit Temperaturen um die 26 Grad im Schatten – eine ideale Kulisse für Zverev, der die Hitze liebt. Die Aussagen von Tennislegenden wie Boris Becker und Andre Agassi bestätigen: Zverev hat das Potenzial, Geschichte zu schreiben.

Es bleibt die Frage, ob er die Chance ergreifen wird. Wenn nicht jetzt, wann dann?