Zverev: sinner-aus katapultiert deutschen ins french open-finale?

Paris – Alexander Zverev, lange Zeit im Schatten von Jannik Sinner, befindet sich plötzlich im Epizentrum der French Open. Das überraschende Aus des italienischen Tennis-Superstars hat die Dynamik des Turniers gehörig durcheinander gebracht und Zverev unerwartet in die Rolle des Titelanwärters katapultiert. Doch der Weg zum ersten Grand-Slam-Titel ist noch lang und steinig.

Die neue rolle des favoriten

Noch vor kurzem schien Zverev gegen Sinner kaum eine Chance zu haben. Neunmal in Serie hatte der Hamburger dem Deutschen die Überlegenheit demonstriert – oft in eindrucksvoller Weise. Nun, da Sinner aufgrund von gesundheitlichen Problemen frühzeitig ausscheidet, öffnet sich für Zverev ein Fenster, das er nutzen muss. „Von der Außenseiterrolle zum Topfavoriten – das kann schon einiges bewegen“, analysiert Ex-Profi Philipp Kohlschreiber. Die Euphorie sollte jedoch im Schach gehalten werden. „Man muss bei sich bleiben, es gibt genügend Stolpersteine“, mahnt Kohlschreiber, der dennoch ein starkes Turnier von Zverev durchaus für möglich hält.

Die Situation ist komplex. Der Druck auf Zverev wird immens sein, da nun alle Augen auf ihn gerichtet sind. Und auch wenn das Aus von Sinner und Carlos Alcaraz (der bereits vor dem Turnier absagen musste) die Tür für Zverev geöffnet hat, so bleibt Novak Djokovic, der serbische Rekordgewinner, weiterhin ein ernstzunehmender Gegner. Ein Duell der Titanen im Halbfinale ist durchaus denkbar.

Rittner warnt: djokovic ist noch lange nicht aus dem rennen

Rittner warnt: djokovic ist noch lange nicht aus dem rennen

Auch Ex-Bundestrainerin Barbara Rittner sieht in Zverev nun den absoluten Topfavoriten, betont aber: „Djokovic spielt sich immer besser ins Turnier ein. Er ist der letzte verbliebene Grand-Slam-Sieger im Feld und wird alles daran setzen, seinen Titel zu verteidigen.“ Zverev muss sich also auf seine Stärken konzentrieren, von Match zu Match denken und sich nicht von der vermeintlichen Gunst des Schicksals blenden lassen. Seine bisherigen Siege gegen Bonzi und Machac waren zwar überzeugend, aber das Turnier ist noch lange nicht vorbei.

Die Aufgabe gegen Quentin Halys am Freitag (ab 20:15 Uhr im LIVETICKER) muss Zverev zunächst meistern. Er hat die Chance, Geschichte zu schreiben. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass er sich auch selbst im Weg stehen kann. Die Frage ist nicht, ob er das Potenzial hat, den French Open-Titel zu gewinnen, sondern ob er in der Lage ist, den immensen Druck zu bewältigen und das Momentum zu nutzen. Die Antwort wird Paris liefern.