Zverev am scheideweg: cobolli-gefahr und die vergangenheit der endspiele
Hamburg – Alexander Zverev steht vor dem größten Moment seiner Karriere: dem Finale der French Open. Doch die Euphorie wird von Warnrufen gedämpft. Boris Becker und John McEnroe mahnen, den vermeintlichen Selbstläufer gegen Flavio Cobolli keineswegs als solchen zu betrachten. Kann Zverev endlich den Fluch der Endspiele brechen und seinen ersten Grand-Slam-Titel feiern, oder wird Cobolli das Wunder vollbringen?
Die psychologische herausforderung für zverev
Becker betonte bei Eurosport: „Ein Grand-Slam-Finale ist etwas anderes. Die Emotionen kochen hoch, man wird nervös. Vielleicht ist es ein Vorteil für Cobolli, weil er das noch nicht kennt.“ Zverev hingegen hat bereits drei Endspiele bei Grand-Slam-Turnieren verloren, eine Last, die schwer wiegen kann. Die Erinnerungen an die verpassten Chancen in New York, Paris und Melbourne lasten auf seinen Schultern. Er muss sich bewusst machen, dass er der erfahrenere Spieler ist und diese Situation bereits kennt.
McEnroe stimmte zu, dass dies die größte Chance für Zverev darstellt, räumte aber auch ein, dass Cobolli körperlich extrem frisch ist. „Er verlässt sich stark auf seine athletischen Fähigkeiten“, so der frühere Champion. Der Italiener profitierte von der Absage seines Landsmanns Arnaldi und konnte seit Mittwoch spielfrei trainieren. Eine enorme Erholung, die ihm im entscheidenden Moment zugutekommen könnte.

Cobollis taktik: zverevs schwächen ausnutzen
Was die Warnungen von Becker und McEnroe besonders beunruhigend macht, ist die Tatsache, dass Cobolli bereits weiß, wie man Zverev schlagen kann. Im April siegte der junge Italiener überraschend deutlich in München (6:3, 6:3). „Er wird mit Selbstvertrauen ins Spiel gehen“, so McEnroe. Cobolli bewies im Viertelfinale gegen Auger-Aliassime, dass er auch mit einem Rückstand umgehen kann, indem er einen Satz und einen Break zurückdrehte.
Besonders gefährlich ist Cobollis Aufschlag, der Zverev vor eine harte Nuss stellen könnte. Wenn es für den Deutschen schwierig wird, könnten seine alten Dämonen wieder aufkehren – die knapp verlorenen Endspiele gegen Thiem und Alcaraz. Die Frage ist, ob er sich mental stark genug zeigt, um diesen Druck zu überwinden und seine Nervosität in Stärke zu verwandeln.
Das Finale zwischen Zverev und Cobolli wird am Sonntag live bei Eurosport und HBO Max übertragen. Deutschland drückt die Daumen – es ist an der Zeit, dass ein deutscher Spieler nach 30 Jahren endlich wieder einen Grand-Slam-Titel bei den Herren gewinnt. Doch Zverev darf sich nicht von der Vergangenheit beherrschen oder von den Erwartungen erdrücken lassen. Nur so kann er seine Chance nutzen und endlich den ersehnten Titel in die Höhe stemmen. Die Uhr tickt.
