Zenica zittert: gattuso oder barbarez – wer darf nach amerika?

Morgen um 20.45 Uhr wird im Bilino Polje von Zenica kein Platz mehr für Ifs und Buts. Die WM-Tickets für 2026 liegen bereit – entweder für Gattusos Azzurri oder für Edin Džeko und seine bosnischen Draufgänger. Nach dem 2:0 gegen Nordirland reicht Italien ein Remis, doch wer glaubt, das mache die Sache einfacher, hat das Feuer unterschätzt, das Džeko seit Wochen in seinen Jungen anzündet.

Der rasen ist miserabel, die stimmung brisant

Kein europäisches Top-Stadium, sondern eine kesse Schüssel mit 10.000 Sitzplätzen und einem Rasen, der aussieht, als hätte er die letzte Dünger-Gabe 1998 erhalten. Genau dort schickt die FIFA den Hochglanz-Fußball. Warum? Weil Bosnien seit Jahren beweist, dass Kleinst-Areale große Dramen liefern – sie schmissen Wales in Cardiff raus, sie schlugen Rumänien 3:1. Die Quoten für Under 2,5 Tore spiegeln das wieder: 1,66 bis 1,68 bei allen großen Buchmachern – ein klares Misstrauen gegen Tor-Feuerwerk.

Gattuso rotiert kaum. Tonali und Kean bleiben, Retegui muss aufpassen: Pio Esposito lauert. Der Plan lautet: früh Džeko neutralisieren, den Kopf des 40-Jährigen abdrehen. 73 Länderspieltore aus 147 Einsätzen – diese Zahl kennt jeder im italienischen Analystenzelt auswendig. Ein Kopfball gegen Wales war erst die jüngste Visitenkarte.

Die angst vor elfmeter-krimi schwingt mit

Die angst vor elfmeter-krimi schwingt mit

Die Statistik beruhigt: fünf Siege in den letzten sechs Spielen, nur eine Pleite in Norwegen. Doch die italienische Seele trägt die Narben von 2017 und 2022 – Playoff-Desaster gegen Schweden, Playoff-Desaster gegen Nordmazedonien. Deshalb flüstert man in Coverciano: „Unentschieden reicht, aber nur nach 90 Minuten.“ Ein Elfmeter-Krimi wäre ein Blick in den Abgrund.

Bosnien-Coach Barbarez kann dagegen völlig frei auflaufen. Keine Historie, kein Druck, nur ein einziges Motiv: ein Ticket nach Kanada, Mexiko, USA. Sein Kader mischt Erfahrung (Džeko, Pjanić) mit Spritzigkeit (Demirović, Hadžikadunić). Die Mischung hat in der Quali schon deutsche und österreichische Abwehrreihen wackeln lassen.

Erstes Halbzeit-Unentschieden wird bei 2,10 bis 2,24 quotiert – ein verstecktes Schnäppchen, wenn zwei Nervenbündel einander lange neutralisieren. Die Taktik-Computer tönen: Italien wird dominieren, aber Bosnien braucht nur einen Konter, einen Standard, einen Džeko-Moment.

Um 22.30 Uhr wissen wir, wer im Juni Flüge nach New York oder Los Angeles buchen darf. Die andere Seite bleibt sitzen – und schaut vermutlich wieder auf vier Jahre voller Qualifikationsängste. Für Gattuso ist das kein Spiel, sondern eine Entscheidung über seine Zukunft. Für Džeko ist es die letzte große Reise. Zenica wird zeigen, wem das Schicksal diesmal hold ist.