Zenhäusern zieht bilanz: karriere-aus nach 1,30 sekunden?
1,30 Sekunden. So knapp lag Ramon Zenhäusern in Kranjska Gora hinter dem Sieger – und so deutlich hinter den eigenen Ansprüchen. Der Slalom-Riese ist raus aus dem Weltcup-Finale, raus aus den Top 30, und schon morgen könnte er statt in Hafjell am Zwölferkogel beim Europacup starten. Ein Schritt zurück, der wie ein Abschied wirkt.
Verband droht mit kader-streichung
Swiss-Ski will keine Gnade. Wer nicht liefert, fliegt – und wer fliegt, darf nicht mehr im Nationalteam trainieren. Zenhäusern, einst Silber-Olympionike und mit sechs Weltcup-Siegen der zweiterfolgreichste Schweizer Slalomfahrer nach Daniel Yule, droht der Verlust des Kader-Status. Der 33-Jährige spürt den Druck: „Wenn ich in der Startliste zu weit zurückfalle, wird der Rücktritt eine Option.“
Die Zahlen sind gnadenlos. Rang 36 im Slalom-Weltcup, keine Final-Quali, kein Podest seit 2022. Doch wer mit ihm trainiert, weiß: Im Training ist Zenhäusern noch immer ein Monster. „Ich fahre dort besser als in meiner erfolgreichsten Phase“, sagt er selbst. Das Problem: Die Uhr im Rennen tickt anders. Dort bleibt die Leistung stecken, irgendwo zwischen Startnummer 35 und Zielaufsetzer.

Der 2-meter-mann und die frage nach dem timing
2,02 Meter Körpergröße, 190 Schläge pro Slalom – Zenhäusern musste seine Technik immer an die Physik anpassen. Früher war das sein Vorteil, heute wird es zur Falle. Die jüngeren Fahrer drehen enger, beschleunigen aggressiver, und die neue Generation um Atle Lie McGrath oder Lucas Braathen lässt keine Lücken mehr. Wer da nur 1,30 Sekunden fehlt, landet auf Rang 24 und außerhalb der TV-Bilder.
Die Saison ist vorbei, die Karriere vielleicht auch. Zenhäusern will erst einmal durchatmen, mit seiner Familie reden, mit Swiss-Ski verhandeln. Aber er kennt die Mechanismen: Ohne Kader kein Material, ohne Material keine Punkte, ohne Punkte kein Comeback. Der Teufelskreis dreht sich schneller als ein Slalom-Tor.
Am Zwölferkogel wird er jetzt gegen Junioren fahren, die ihn vor fünf Jahren noch angeschaut haben wie ein Poster. Ironie des Sports: Wer einst für Olympia-Silber jubelte, muss nun um Europacup-Punkte kämpfen, um nicht in der Startliste abzurutschen. Die Uhr tickt – und sie tickt gegen Zenhäusern.
