Zanardi-geist lebt: malagà enthüllt sekundenbruchteil-story
Giovanni Malagà hat die Stoppuhr im Kopf noch immer im Ohr: 9:42 bis 9:43 Uhr, keine Sekunde daneben. An jenem Sonntag stand er vor dem Circolo Aniene in Rom, sah Alex Zanardi auf der Handbike-Marathon vorbeizischen – und bekam statt eines Winkes einen erhobenen linken Arm mit geballter Faust serviert. „Pünktlich“, schien der Italiener zu sagen, „immer pünktlich.“
Die maschine hinter dem mythos
Der frühere CONI-Präsident erzählt das Rennen so, als wäre es gestern gewesen. „Er plante jede Schaltung, jeden Kurvenradius, die Luftdruckwerte der Reifen. Für uns war es ein Handbike, für ihn ein Uhrwerk.“ Die Siegessicherheit war kein Talent, sondern Resultat eines Reglements, das Zanardi selbst geschrieben hatte: Trainingsdaten, Wetter, Streckenprofile – alles in einem Excel-Sheet, das er am Vorabend noch mal um 0,3 km/h korrigierte.
Malagà lacht kurz, dann wird seine Stimme rauer. „Ich habe ihn nie eine Sekunde lang jammern hören. Nach dem Crash in 2001, nach den weiteren Unfällen – nie. Stattdessen fragte er: ‚Wann kann ich wieder starten?‘“

Ein foto, das die zeit anhält
Im Klubhaus des Circolo Aniene hängt das Bild: Malagà in Turnschuhen, Zanardi im Drei-Rad, Arm in die Höhe, der Tiber im Hintergrund. „Jeder Neuankömmling fragt: Wer ist das? Ich antworte: Das ist die Anleitung, wie man mit 50 Stundenkilometern durchs Leben sprintet, ohne zu stolpern.“
Mittlerweile trainiert Zanardi in Padua an neuen Prothesen. Die letzte Operation war kompliziert, die Familie bleibt an seiner Seite. Doch selbst auf der Intensivstation, so hören wir, hat er den Pflegern ein Lächeln und einen Zeitplan hinterlassen: „Bis September will ich wieder auf dem Rad sitzen.“
Die Uhr tickt. Aber wer Alex kennt, weiß: Er wird pünktlich sein.
