Yates verpasst giro-traum nach horror-crash: „es zerreißt mir das herz“
Adam Yates schiebt sich auf dem Rad an die Teambus-Tür, sein rechtes Ohr blutet durch ein dickes Pflaster, die Augen sind glasig. 24 Stunden später steht fest: Der Brite ist raus – und mit ihm ein großes Kapitel, das nie geschrieben wurde.
Der sturz, der alles beendete
Die zweite Etappe war schon länger ein beliebter Täter, doch diesmal schlug er im Nieselregen von Weliko Tarnowo gnadenlos zu. 22 km vor dem Ziel riss eine nasse Rechtskurve das Feld auseinander. UAE-Team Emirates-XRG verlor an einem einzigen Ort drei Fahrer: Jay Vine mit Gehirnerschütterung und gebrochenem Ellbogen, Marc Soler mit Beckenbruch – und nun eben Adam Yates mit Cut am Ohr, Schürfwunden und Gehirnerschütterung. Die ärztliche Freigabe kam nicht, die Entscheidung war „eine Frage von Minuten“, wie Sportlicher Manager Joxean Fernández Matxin am Sonntagmorgen mitteilte.
Yates selbst sagte nichts. Er saß nur auf der Bus-Treppe, schaute Richtung Tramonto-Berge und nickte, als die Crew seinen Helm wegräumte. Wer ihn kennt, weiß: Schweigen bei Adam bedeutet Schmerz. 2017 und 2025 stürzte er ebenfalls, erreichte Rom – Neunter, dann Zwölfter. Diesmal bleibt die Reise stecken, bevor sie richtig begann.

Ein podium, das nie kommen wird
Der 33-Jährige war Visma-Star Jonas Vingegaard als Hauptkonkurrent im Visier. Dritter der Tour 2023, Zwillingsbruder von Giro-Sieger Simon – die Storyline lag auf dem Tisch: Adam gegen Simon, UAE gegen BikeExchange, England gegen England. Jetzt fehlt die Hauptfigur. „Er hätte hier gewinnen können“, sagt ein enttäuschter Matxin. „Die Form war da, die Zahlen stimmten.“
Stattdessen schrauben die Mechaniker das Reserverad aus seinem UAE-Emirates-SL8 heraus, wischen Regenwasser vom Oberrohr. Die Startnummer 1 steckt noch im Halter, wird aber nicht mehr ausgegeben. Bahrain-Victorious-Kapitän Santiago Buitrago erwischte es ebenfalls, konnte aber weiterfahren – mit zerschlagenem Ellbogen, aber mit Zielstrebigkeit. Vingegaard dagegen rutschte durch die Kurve wie auf Schienen, kam unbeschadet ins Ziel und baute seine Führung aus. Der Favoritenkreis schrumpft, die Spannung bleibt.
Der Giro d’Italia 2026 begann in Bulgarien – ein Novum, ein Fest, ein Wagnis. Die 221 km zwischen Burgas und Weliko Tarnowo sollten Geschichte schreiben. Sie taten es – nur anders, als gedacht.
Für Adam Yates heißt es jetzt: Ruhe, Dunkelheit, keine Bildschirme. Die Gehirnerschütterung verlangt Geduld, der Giro verlangt Opfer. Beides zusammen ist ein Luxus, den er sich nicht leisten kann. Sein nächstes Ziel: Die Vuelta. Oder vielleicht einfach nur schmerzfrei aufwachen.
