Wück dreht kräftig an der schraube: anyomi stürmt, martinez sitzt
Stavanger – Christian Wück schert sich nicht um mediale Selbstverständlichkeiten. Nur vier Tage nach dem 5:0 gegen Slowenien, in dem sich Shekiera Martinez mit einem Traumdebüt in Szene gesetzt hatte, wandert die Stürmerin prompt wieder auf die Bank. An ihre Stelle rückt Nicole Anyomi – ein Wechsel, der beweist: Der Bundestrainer belohnt keine Einzelnen, sondern nur konstante Leistung.

Wamser und minge profitieren von wücks rotationsprinzip
Die nächste Überraschung folgt im Mittelfeld. Carlotta Wamser darf erstmals in dieser Quali-Runde von Beginn an ran, während Linda Dallmann – eigentlich gesetzt wie ein Betonfundament – zuschauen muss. Die Kette zieht sich weiter: Jule Brand rückt von außen nach innen, Wamser übernimmt den rechten Flügel. Die Botschaft ist klar: Tempo vor Tradition.
Abstimmungsprobleme? Fehlanzeige. Die Defensive bekommt mit Janina Minge ebenfalls ein Upgrade. Die Wolfsburgerin entschädigt ihre Vize-Kapitäns-Rolle mit einem Startplatz, während Camilla Küver – ebenfalls aus Niedersachsen – kurzzeitig Pause erhält. Es ist dieselbe Härte, die Wück schon in der U17 gezeigt hat, als er den WM-Titel holte.
Die Elf im Überblick: Berger – Gwinn, Minge, Knaak, Kett – Senß, Nüsken – Wamser, Brand, Endemann – Anyomi. Fünf Spielerinnen unter 24 Jahren, dazu zwei Franzosen-Legionäre. Das ist kein Experiment, sondern eine Kampfansage an Norwegen, das mit der eigenen Jugendbewegung hadert.
18.00 Uhr, ZDF-Stream, Temperaturen knapp über null Grad. Die Bahn in Stavanger gilt als schnell, der Kunstrasen verzeiht keinen Fehler. Genau das will Wück: ein frühes Tor, um die Skandinavierinnen aus der komfortablen Deckung zu treiben. Seine Analysten haben geortet, dass Norwegens Sechser-Zone beim 4:2-2-System in der ersten Viertelstunde oft zu spät verschiebt – ein Einfallstor für Wamsers Antritt und Brands Spielübersicht.
Die Zahl, die niemand außer Wück kennt: Deutschland verlor nur eins der letzten 14 Pflichtspiele, in dem er drei oder mehr Umstellungen vorgenommen hatte – 2:3 in Kiew, vor drei Jahren. Seitdem ist die Quote bei 9 Siegen und 4 Remis. Rotation funktioniert, wenn man sie konsequent durchzieht.
Kurz vor dem Anpfiff dampft die Halle, die deutschen Fans skandieren „Wück, Wück“, als hätten sie den Plan verstanden. Denn wer heute abend gewinnt, springt vorzeitig auf die Siegerstraße Richtung WM 2027. Und der Bundestrainer? Der steht an der Seitenlinie, parkt die Hände in den Jackett-Taschen, bereit, die nächste Schachfigur zu ziehen. In seiner Welt zählt kein Name, nur die nächste Aktion.
