World aquatics öffnet tür für russische fahnen – ukrainischer olympionike schlägt zurück

Die Wassersport-Welt hält den Atem an. Stunden nachdem World Aquatics die Rückkehr von Russland und Belarus unter eigener Flagge und Hymne sanktionierte, platzt der Kessel. Der ukrainische Skeletonpilot Vladyslav Heraskevych, der in Peking wegen seines „Helms der Erinnerung“ disqualifiziert wurde, wirft dem Verband vor, Schwimmbecken zu Propagandabühnen zu machen.

„Ihr liefert unsere sportstätten der russischen raketenpropaganda aus“

Heraskevychs Worte sind kein Appell, sie sind ein Anpranger. „Unsere Hallen liegen in Trümmern, unsere Athleten trainieren im Bunker – und World Aquatics tut so, als könne man Krieg mit Chlor binden“, sagt er im Exklusivgespräch. Die Entscheidung, russische und belarussische Starter künftig wieder unter Nationalfarben antreten zu lassen, sei „inakzeptabel und beschämend“. Dabei beruft sich der Verband auf ein „isoliertes Sportumfeld“. Was in Kyiv niemand nachvollziehen kann: Dort wurde gestern erneut ein Schwimmzentrum von Marschflugkörpern getroffen.

Die Ironie ist nicht zu überhören. Noch vor zwölf Monaten durfte Heraskevych in Peking nicht starten, weil sein Helm Porträts gefallener ukrainischer Sportler zeigte – zu politisch. Jetzt wird der russische Dreifarbene Fahne der rote Teppich ausgerollt. „Wer heute russische Siege hymnisch ins Mikrofon feiert, feiert morgen die nächste Ankündigung auf dem Kreml-Kanal“, wettert der 26-Jährige.

Der preis der neutralität

Der preis der neutralität

World Aquatics argumentiert, man habe „unabhängige Gutachter“ befragt und keine Verstöße gegen IOC-Richtlinien festgestellt. Doch die Rechnung ohne die Athleten gemacht. Schon melden sich mehrere europäische Verbände, die künftige Starts ihrer Teams zu boykottieren. Finnland und die baltischen Staaten lassen erste Trainingslager ausfallen; die deutsche Wasserball-Nationalmannschaft prüft, ob sie überhaupt noch an der WM in Katar teilnimmt.

Die Angst: Wer mit Fahnenposaune Russland zur Normalität verhilft, spült auch die Bilder der Zerstörung aus dem kollektiven Gedächtnis. Heraskevych will das nicht zulassen. „Wir sterben nicht nur auf den Schlachtfeldern, wir sterben auch in den Köpfen, wenn man unsere Stimmen zum Schweigen bringt.“

Für ihn bleibt nur eine Konsequenz: „Jeder Start unter russischer Flagge ist ein Start gegen die ukrainische Realität.“ Und die Realität schlägt mit Kaliber 152 Millimeter ein – nicht nur in den Schwimmhallen, sondern auch in den Protokollen der Sportgerichte.