Wolfsburg versinkt: 10 spiele ohne sieg, der abstieg klopft lautstark an
Die Volkswagen Arena bebte nicht vor Begeisterung, sondern vor Verzweiflung. 0:1 gegen Werder Bremen, Platz 17, nur 21 Punkte – der VfL Wolfsburg schlittert mit Vollgas Richtung 2. Liga. Trainer Dieter Hecking sprach nach dem Schlusspfiff von einem „Erfolgserlebnis, das die Mannschaft braucht wie Sauerstoff“. Doch die nächste Atemmaske folgt erst am 4. April, nach der Länderspielpause, bei Bayer Leverkusen. Bis dahin bleibt den Wölfen nur die Selbstgeißelung.
Justin njinmah lässt die autostadt erzittern
68. Minute, Ecke von links, Justin Njinmah tankt sich durch den Strafraum, drückt die Kugel über die Linie – 0:1. Die Bremen-Fans tobten, die Wolfsburger Stars standen wie versteinert. Der Treffer war keine Riesenchance, sondern die logische Konsequenz aus zehn sieglosen Spielen in Folge. Die Statistik lautet: 21 Punkte, 31 Gegentore, nur 22 Tore. Die Tabelle lügt nicht, sie spuckt den VfL aus.
Sportdirektor Pirmin Schwegler versuchte, die Katastrophe zu relativieren: „Bis es nicht mehr möglich ist, werden wir weitermachen.“ Aber seine Stimme klang schon heiser vom ständigen Aufrappeln. Drei Punkte fehlen auf den Relegationsrang, vier auf Platz 15. Am Sonntag kann der Abstand weiterwachsen, wenn Union Berlin oder der FC St. Pauli punkten. Die Wolfsburger Fans skandierten nach dem Spiel „Schande“, einige warfen ihre Schals auf den Rasen. Der Klub reagierte mit einer Dauerkarten-Rückerstattung für die restlichen Heimspiele – ein Schmierentheater, das die Lage nur beschönigt.

Heckings befreiungsschlag bleibt aus
Dieter Hecking ist kein Neuling im Abstiegskampf. 2016 rettete er die Wölfe noch vor dem Chaos. Doch diesmal wirkt seine Ansprache wie ein abgedroschenes Mantra: „Die Mannschaft weiß, wie der Weg sein kann.“ Welcher Weg? Der Weg nach Leverkusen, wo die Bayern-Reserve derzeit auf Platz 3 jagt und die Abwehr nur 18 Gegentore kassiert hat? Die Karten sprechen gegen Wolfsburg: In den letzten sieben Auswärtsspielen kassierte der VfL 16 Gegentore, schoss nur vier Tore. Die xG-Werte (Expected Goals) zeigen: Wolfsburg kreiert kaum hochkarätige Chancen, kassiert dafür aber die bundesligaüblichen Standards.
Die Personaldecke ist dünn. Maximilian Arnold fehlt gelbgesperrt, Ridle Baku laboriert an Adduktorenproblemen. Der neue Stürmer Jonas Wind traf nur dreimal in 17 Partien. Die einzige positive Nachricht: Yannick Gerhardt kehrt nach Muskelbündelriss zurück, doch ein einzelner Laufkraftwerk wird das sinkende Schiff nicht halten.
Die Uhr tickt. Noch acht Spiele, maximal 24 Punkte zu verteilen. Die Relegation winkt wie ein Seil, an dem sich der VfL festkrallen könnte – wenn das Team endlich wieder siegen würde. Doch bis Leverkusen vergehen zwei Wochen, in denen sich die Spieler nur gegenseitig anstarren und der Sportdirektor neue Phrasen dreschen wird. Die Autostadt wartet auf ein Wunder, aber die Bundesliga ist kein Wunderland. Wer zehn Mal nicht gewinnt, der fliegt. Punkt.
