Wolfsburg: einheit statt eskalation – kann das wunder gelingen?

Vor zwei Monaten tobte in Wolfsburg noch der blanke Zorn. Fans und Mannschaft lagen zerstritten im Streit, die Stimmung im Stadion war zum Schneiden dick. Doch nun scheint sich ein Wandel vollzogen zu haben – eine späte, aber vielleicht entscheidende Revanche im Abstiegskampf.

Die rückkehr des wappens als zeichen der versöhnung

Die Eskalation vor zwei Wochen, als Pyrotechnik auf dem Feld brannte und der VfL gegen den Hamburger SV verlor, markierte einen Tiefpunkt. Der Rausschmiss von Dieter Hecking als Trainer wirkte wie ein Schock. Doch die darauffolgenden acht Spiele, obwohl sie nur sechs Punkte brachten, zeigten bereits erste Anzeichen einer Erneuerung. Am Samstag gegen Bayern München offenbarte Wolfsburg dann ein neues Gesicht: Eine Mannschaft, die geschlossen kämpft, die sich gegenseitig unterstützt und die von einer mitreißenden Fankurve getragen wird.

Die Präsentation des renovierten Zinnenwappens vor Spielbeginn – „Für immer unser Wappen“ – war mehr als nur eine kosmetische Änderung. Es war ein Signal, ein Bekenntnis zur Einheit und zur Tradition. Unzählige grün-weiße Fähnchen wurden geschwenkt, die Fans sangen sich die Seele aus dem Leib. „Die Stimmung war elektrisierend, besser als ich sie seit Jahren erlebt habe“, berichtete ein Fan gegenüber SPORT1.

Die Wolfsburger präsentierten sich gegen Bayern München überraschend stark. Das Torschussverhältnis von 15:5 und ein xGoals-Wert von 3,37 zu 1,02 sprechen eine deutliche Sprache. Auch wenn die 0:1-Niederlage am Ende stand, war sie mit einem guten Gefühl verbunden. Wolfsburg ist zurück, und das vor dem entscheidenden Saisonfinale gegen den FC St. Pauli.

Der auswärtserfolg als trumpf im kampf um die liga

Der auswärtserfolg als trumpf im kampf um die liga

Sportdirektor Pirmin Schwegler betonte, dass weder der Heimvorteil von St. Pauli noch die Tabelle die alleinigen Entscheidungskriterien sein werden. „Wir werden mit Energie spielen und nach vorne schauen“, so Schwegler. Die Tatsache, dass Wolfsburg auswärts deutlich besser punktet als zu Hause, ist ein psychologischer Vorteil. Während die Wölfe 16 Punkte aus 11 Auswärtspartien holten (Platz 11), konnten sie in der Volkswagen Arena nur 10 Punkte sammeln (Platz 18).

Die Situation ist komplex. Ein Unentschieden würde Wolfsburg in die Relegation bringen, sofern Heidenheim nicht gegen Mainz gewinnt. Doch das Team um Mittelfeldspieler Mattias Svanberg ist gewarnt: „Wir wollen das Spiel gewinnen und sicherstellen, dass Heidenheim nicht das schlechtere Torverhältnis aufholt.“ Svanberg, der bereits WM-Qualifikationserfahrung mit Schweden hat, mahnt zur Ruhe: „Wir müssen positiv denken und an unsere Stärken glauben. Wir haben Selbstvertrauen.“

Disziplinarische maßnahmen und ein blick nach vorn

Disziplinarische maßnahmen und ein blick nach vorn

Gerüchte über Handgreiflichkeiten im Training und die Ausmusterung von Mohamed Amoura und Kevin Paredes für das Bayern-Spiel sorgten für zusätzliche Unruhe. Schwegler bestätigte lediglich eine „disziplinarische Maßnahme“, wollte aber keine Details preisgeben. Die Konzentration liegt nun voll auf dem Spiel gegen St. Pauli. Der Stimmungswandel muss beibehalten werden, die Energie gebündelt.

Trainer Hecking ist überzeugt, dass die Mannschaft viel aus dem Bayern-Spiel mitnehmen kann. „Die Energie, die Disziplin, die Ordnung – das waren alles richtig gute Ansätze. Aber St. Pauli wird ein anderes Spiel sein. Viel wird von Kleinigkeiten abhängen.“ Die Uhr tickt. In Wolfsburg hofft man auf ein Fußballmärchen, das in Hamburg seinen krönenden Abschluss findet.