Wolfsburg am abgrund: christiansen vor rauswurf, hecking als notlösung

Der VfL Wolfsburg ist nicht nur abstiegsbedroht – er ist ein Verein ohne Plan, ohne Stimme und ohne Hemmungen. Nach dem 1:2 gegen den Hamburger SV droht dem Tabellenvorletzten ein Beben, das bis in die Chefetage reicht. Geschäftsführer Peter Christiansen soll weg, Interimstrainer Daniel Bauer ist bereits Geschichte, und die Rettung soll ein Mann übernehmen, der hier schon einmal Geschichte schrieb: Dieter Hecking.

Christiansen schweigt, die kurve skandiert „volksverräter“

Was sich am Samstag im Volkswagen-Arena abspielte, hatte wenig mit Bundesliga-Fußball zu tun. Es war ein Aufstand auf Raten. HSV-Fans feierten auf den VIP-Rängen, während die eigene Nordkurve dunklen Rauch aufsteigen ließ und anschließend demonstrativ die Unterstützung einstellte. Christiansen, der unter normalen Umständen als Krisenmanager auftritt, wurde kurzfristig abberufen – sein letzter Auftritt als VfL-Geschäftsfüger? Die Gremien tagen bereits, die Trennung gilt als formsache.

Die Zahlen sind brutaler als jedes Fanplakat: 26 Gegentore in 14 Heimspielen, zwei Siege seit Jahresbeginn, elf verschossene Elfmeter in dieser Saison. Wer so spielt, verspielt nicht nur Punkte – er verspielt Glaubwürdigkeit. Und genau die ist in Wolfsburg jetzt auf Null.

Hecking als notlösung – ein befreiungsschlag mit faden beigeschmack

Hecking als notlösung – ein befreiungsschlag mit faden beigeschmack

Dieter Hecking, 61, soll als Feuerwehrmann bis Saisonende den GAU verhindern. Er kennt die Klubstrukturen, er kennt die Liga, er kennt den Druck. Doch die Ironie ist nicht zu übersehen: Hecking wurde 2016 entlassen, weil die sportliche Entwicklung stagnierte. Jetzt soll er die Trümmer zusammenkehren, die andere hinterlassen haben.

Die Personalie ist symptomatisch für einen Verein, der seit Jahren Identität durch Improvisation ersetzt. Ein Trainer, der im November schon als Next-Level-Lösung galt, wird nach 13 Spielen ohne Sieg wieder abgeschossen. Ein Sportdirektor, der mit Daten und Prozessen wirbt, steht neben einem Aufsichtsrat, der nicht einmal die eigene Kurve vor der Eskalation warnt. Und ein Geschäftsführer, der einst für Kontinuität stand, versteckt sich vor der Presse, während die Entscheidung über seine Zukunft im Hinterzimmer fällt.

Am Samstag geht’s nach Hoffenheim – ein Ort, an dem Wolfsburg zuletzt 2018 gewann. Es wäre ein passender Ort für einen Neuanfang, wenn es denn einer wäre. Aber Hecking wird keine Taktik zaubern können, die die individuelle Bruchstelle in der Defensive kitten. Er wird keine Rede halten können, die die Fans wieder hinter den Verein bringt. Er kann nur eins: die restlichen neun Spiele so managen, dass am 34. Spieltag nicht 25. Mai, sondern 16. Mai steht – der Tag, an dem der VfL erstmals in Liga zwei absteigen würde.

Die Saison ist nicht mehr zu retten. Die Frage ist nur, ob der Verein es noch ist.