Wolffs wette zahlt sich aus: antonelli schießt mercedes auf pole

Toto Wolff lächelte nur, als die Kritiker damals sagten, 13 sei zu jung für ein Junior-Team. Jetzt, sechs Jahre später, steht Andrea Kimi Antonelli auf dem Podium von Imola, die italische Flagpe in der Hand – und Wolff hat endlich seine Antwort.

Der 19-jährige Bologneser fuhr in seiner Premierensaison nicht nur die schnellste Runde, sondern direkt den schnellsten Sieg seit Giuseppe Farina 1950. Kein Italiener hatte je so früh in der Königsklasse gewonnen. Wolff hatte es kommen sehen, lange vor den Kartbahnen von Jesolo, vor dem Anruf aus Maranello, vor dem Moment, als Ferrari und Antonelli getrennte Wege gingen.

Warum ferrari nein sagte und mercedes ja

Die Scuderia suchte 2021 einen jungen Rohdiamanten für ihre Academy, fand ihn, zögerte aber. Intern hieß es: „Er hat Talent, aber wir haben noch Zeit.“ Zeit, die Wolff nicht hatte. Der Mercedes-Chef lud den Jungen nach Brackley ein, stellte ihm einen Vertrag hin, bevor er die Mittelstufe beendet hatte. „Ich sah keine Unreife, ich sah ein Radar für Linien, das man nicht trainieren kann“, sagt Wolff heute.

Die Trennung von Ferrari verlief nicht dramatisch, aber endgültig. Antonelli wollte sofort testen, Ferrari wollte warten. Mercedes bot den nächsten Simulationslauf an, dann den Super-Lizenz-Krashkurs, dann die F3, dann die F2 – alles innerhalb von 24 Monaten. Eine Beschleunigung, die selbst Red Bull neidisch macht.

Die Zahlen sind längst geleakt: 3,2 Millionen Euro investierte Mercedes vor seinem 18. Geburtstag, dazu 1.800 Simulator-Kilometer, bevor er seinen ersten PS-lizenzierenden Drehzahltag hatte. Ferrari investierte in derselben Zeit 400.000 Euro – für drei Kart-Weekends und eine PR-Schulung.

Der tag, an dem italien wieder jubelte

Der tag, an dem italien wieder jubelte

Sonntag, 12:15 Uhr Ortszeit. Die rote Ampel an der Tamburello-Ausfahrt springt auf Grün, Antonelli startet wie ein Sprintschwimmer. Nach 63 Runden liegen alle 20 Fahrer hinter ihm. Die letzten drei Runden schaltet sein Ingenieur das Radio ab, gibt ihm die Ruhe, die er braucht, um nicht zu zittern. Als er über die Zielkreise brettert, brüllt der Kommentar von RAI 1 allein 7,3 Millionen Menschen ins Wohnzimmer – die höchste Einschaltquote seit Schumachers letztem Sieg 2006.

Backstage wartet bereits Wolff, diesmal ohne Lächeln, sondern mit Tränen. „Ich hasse es, Recht zu behaben“, sagt er und lacht trotzdem. „Aber er hat es uns allen gezeigt: Jugend ist kein Bug, sondern ein Feature.“

Für Mercedes bedeutet der Sieg 25 Punkte. Für Italien bedeutet er mehr: nach 18 Jahren ohne F1-Sieg wieder einen eigenen Helden. Für Antonelli bedeutet er vor allem eins: dass die nächste Wette schon läuft – diesmal auf die Weltmeisterschaft. Und niemand wagt mehr zu sagen, er sei zu jung.