Wölfe würzburg schlagen aufstieg aus – corona-loch frisst 2. liga-traum

Der Aufstieg war greifbar, die Tickets zum Saisonfinale fast gedruckt. Dann trat der Drittliga-Spitzenreiter Wölfe Würzburg ans Mikro und sagt: „Wir verzichten.“ Kein Lizenzantrag für die 2. Handball-Bundesliga, keine Profi-Spieltage in der Domstadt – wegen 84.301,25 Euro, die seit drei Jahren auf dem Konto fehlen.

Die quittung für staatliche corona-hilfen

Der Freistaat Bayern bewilligte 2020 Soforthilfen, um Vereine vor der Insolvenz zu retten. Die Wölfe bekamen Zusagen, doch 84.301 Euro fließen nicht. Gleichzeitig fordert das Finanzamt 34.384 Euro zurück – für Monate, in denen die Halle zu war und die Einnahmen ausblieben. Geschäftsführer Johannes Sendelbach rechnet vor: „Wir haben die Ausfälle belegt, die Anträge ordnungsgemäß gestellt. Jetzt sollen wir für eine Krise büßen, die der Staat selbst verursacht hat.“

Die Folge: Ein Kader, der sich auf Zweitliga-Gegner einstellt, muss neu geplant werden. Spieler, die bereits Verträge mit Aufstiegsklauseln unterschrieben haben, dürfen ausgetauscht oder abgelöst werden. Sponsoren, die sich auf höhere TV-Präsenz freuten, ziehen Angebote zurück. Und die Fans? Die kaufen keine Dauerkarten, weil keiner weiß, ob die Saison 2024/25 überhaupt Zweitliga-Charakter hat.

Sendelbachs appell: „wir sind kein einzelfall“

Sendelbachs appell: „wir sind kein einzelfall“

Die Wölfe legten intern Gutachten vor: 17 von 20 befragten Dritt- und Viertligavereinen berichten von ähnlichen Forderungen. „Die Politik feiert Sport als Gesundheitsmaker, verlässt ihn aber im wirtschaftlichen Blindflug“, sagt Sendelbach. Sein Verein habe bereits drei Anwaltskanzleien beauftragt, die Rückforderungen zu prüfen. Ein Termin beim Bayerischen Finanzministerium steht aus.

Zur gleichen Zeit trainiert die Mannschaft weiter, als gäbe es keine Zukunftsfrage. Linksaußen Maximilian Hofmann nickt, als er vom Zaun des Trainingplatzes berichtet: „Wir wollten in die 2. Liga, weil wir glauben, dass wir dort hingehören. Stattdessen erklärt uns jemand ohne Trikot, dass unser Budget zu klein ist.“

Die Entscheidung fällt auf den 15. Mai, wenn die Lizenzfrist endet. Bis dahin will Sendelbach 200.000 Euro an Sponsorengeldern akquirieren – ein Betrag, der fehlt, um die Kapitalanforderungen der 2. Bundesliga zu erfüllen. „Wir schaffen das nicht in sechs Wochen, wenn gleichzeitig das Finanzamt klopft“, gibt er offen zu.

Die Wölfe bleiben in der 3. Liga, planen mit jungen Spielern aus der Region und einem Etat, der 40 Prozent niedriger liegt als in der vergangenen Saison. Die sportliche Perspektive: 2025 erneut angreifen – sofern die Corona-Nachzahlungen dann Geschichte sind. Die emotionale Bilanz: Ein Aufstieg verweigert, weil eine Pandemie nie richtig abgeschlossen wurde. Würzburg hat die Rechnung bekommen – und sie ist höher als jede Handball-Schlappe.