Selbstüberschätzung im sport: wenn experten aus laien werden

Wir kennen sie alle: Die Person, die in jeder Diskussion das Wort ergreift, vermeintlich alles weiß und ihre Meinung als unumstößliche Wahrheit darstellt – obwohl ihr Wissen bestenfalls oberflächlich ist. Ein Phänomen, das weit häufiger auftritt, als man denkt, und auf einem psychologischen Effekt beruht, der uns alle betrifft.

Der dunning-kruger-effekt: mehr schein als sein

Der dunning-kruger-effekt: mehr schein als sein

Dieser Effekt, benannt nach den Psychologen David Dunning und Justin Kruger, beschreibt die Tendenz von Menschen mit geringem Fachwissen, ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse zu überschätzen. Sie halten sich für kompetenter, als sie tatsächlich sind, und scheuen sich nicht, ihre Ansichten auch zu komplexen Themen kundzutun – oft ohne fundierte Grundlage. Es ist, als ob die Unfähigkeit, die eigene Inkompetenz zu erkennen, zu einer selbstbewussten Überzeugung wird.

Das Problem liegt darin, dass diese Personen nicht in der Lage sind, eine objektive Bewertung ihrer eigenen Fähigkeiten vorzunehmen. Sie sind blind für ihre Wissenslücken und nehmen sich selbst, wie es scheint, besser wahr, als sie sind. Aber es gibt auch die Kehrseite der Medaille: Menschen mit echtem Fachwissen, die sich hingegen unter Wert verkaufen und ihre Kompetenzen unterschätzen.

Wie erkennt man jemanden, der vom Dunning-Kruger-Effekt betroffen ist? Es ist oft tückisch, da die betroffenen Personen ihre Wissenslücken hinter einer Fassade aus Selbstsicherheit verbergen können. Dennoch gibt es einige Merkmale, auf die man achten kann. So reden sie beispielsweise mit absoluter Überzeugung über komplexe Sachverhalte, die sie kaum verstehen. Ihre Argumente basieren oft auf oberflächlichen Informationen und es fehlt ihnen an Tiefgang. Und was noch schlimmer ist: Wer sie auf ihre Fehler hinweist oder ihnen widerspricht, reagieren sie mit einer Unfähigkeit, ihre eigene Inkompetenz zu akzeptieren.

Zudem ignorieren oder entwerten sie die Meinungen und Ratschläge von Experten. Es ist ein Teufelskreis aus Selbstüberschätzung und mangelnder Reflexionsfähigkeit. In Spanien wird dieser Typ Mensch scherzhaft als „Cuñado“ bezeichnet – eine Person, die mit großer Vehemenz und ohne fundierte Kenntnisse ihre Meinung kundtut. Ein Begriff, der uns allen bekannt vorkommen dürfte.

Die Ursachen für diesen Effekt sind vielfältig und reichen von einem Mangel an Selbstreflexion bis hin zu einer verzerrten Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten. Es ist ein psychologisches Phänomen, das uns alle betrifft und uns daran erinnert, dass Selbstbewusstsein und Kompetenz nicht immer Hand in Hand gehen. Das nächste Mal, wenn jemand mit überheblicher Sicherheit von sich auslegt, sollten wir uns lieber fragen, ob er wirklich weiß, wovon er spricht.

Die Zahl der sogenannten „Influencer“ in den sozialen Medien, die sich in Bereichen äußern, in denen sie keinerlei Expertise besitzen, unterstreicht die Brisanz dieses Problems. Eine aktuelle Studie zeigt, dass 67% der Deutschen das Gefühl haben, dass viele Meinungen im Netz unbegründet und unqualifiziert sind. Bleibt zu hoffen, dass mehr Menschen zu einer kritischeren Auseinandersetzung mit Informationen bereit sind und sich nicht von der Fassade der Selbstsicherheit blenden lassen.