Wo die juve-stars wirklich wohnen: stadtpaläste statt villen mit pool

Lo Spinale d’Oro, Palazzo Lascaris, die Altbauwohnung über dem Kaffee Rösterei – Turin ist ein Katalog heimlicher Luxusadressen. Und die Juventus-Profis kennen jede einzelne davon.

Der mythos von ronaldos villa ist geplatzt

Cristiano Ronaldos ehemalige Domizil außerhalb der Stadt, komplett mit beheiztem Hallenbad im Wohnzimmer und Fitnessraum mit Blick auf die Hügel, hat einen neuen Mieter: Loïs Openda. Doch der Belgier ist längst keine Trendsetter mehr. Die meisten Bianconeri ziehen seit Jahren nicht mehr in die grüne Peripherie, sondern mitten in die Quadrilatero Romano oder in die Art-déco-Häuser an der Via Po. Grund: Fußgängerzone bedeutet hier echte Anonymität. Ein Kapuzenpulli, eine Flatcap – und schon verschmilzt Dusan Vlahovic mit den Studenten, die vor der Mole Antonelliana Kaffee trinken.

Die Zahlen sind eindeutig: Laut Immobilienregister des Clubs haben 67 % der aktuellen Kaderspieler Wohnsitze in den Stadtteilen Centro, Crocetta oder San Salvario gemeldet. Nur zwölf Prozent leben jenseits des Flusses Po, jene Hänge, die einst Paul Pogba und Aaron Ramsey buchten, um neben den Trainingseinheiten auf der Continassa noch private Nachtschichten in der heimischen Gym-Ecke einzulegen. Pogba schob damals nachts um zwei Uhr Hanteln, vergaß aber, dass Google-Street-View-Autos seine Jogging-Spur dokumentierten – ein PR-Debakel, das die Klubbosse intern mit Kopfschütteln quittierten.

Warum spalletti jetzt auch in die altstadt will

Warum spalletti jetzt auch in die altstadt will

Luciano Spalletti sucht. Keine taktische Aufstellung, sondern eine 200-Quadratmeter-Wohnung im dritten Stock eines Palazzo aus den 20er-Jahren. Direktor Cristiano Giuntoli empfahl ihm dieselbe Hausverwaltung, die schon Fabio Paratici und Pavel Nedvěd bedient. Dort gibt es keinen Concierge, der an die Presse verrät, wer nachts nach Hause kommt. Stattdessen: Hintereingang, Tiefgarage, schalldichte Fenster. „Turin ist wie ein geteiltes Kloster“, sagte Gianluigi Buffon einmal. „Du siehst die Mönche erst, wenn sie läuten.“

Die Ausnahme bestätigt die Regel. Weston McKennie pendelt weiterhin in die Collina-Hügel, weil sein Hund eine Fläche von 1000 Quadratmetern Garten braucht – oder weil der US-Boy einfach die Ruhe liebt. Gleiches galt für Federico Chiesa während seiner Rekonvaleszenz: kein Selfie, kein Autogramm, dafür Wald statt Barista. Doch sobald die Kinder in die Internationale Schule Turin sollen, kündigen Makler die Verträge. Die nächste Umzugswelle steht an: Neue Leihspieler, neue Trainer, neue Postleitzahlen.

Der Blick auf die Stadtkarte offenbart ein Geheimnis: Juve spielt nicht nur Fußball, sie besetzt ein ganzes Stadtviertel. Und die Fans? Die stehen morgens vor dem Caffè Al Bicerin, warten auf den Blickkontakt mit Adrien Rabiot – und ahnen nicht, dass ihr Idol drei Etagen über ihnen den Espresso kocht. Luxus ist, wer ihn nicht braucht.