Wm-skandal: fifa verteidigt ausverkaufte stadien – aber wo waren die fans?
Guadalajara, Mexiko – Die FIFA steht im Kreuzfeuer der Kritik. Während Gianni Infantino noch zu Beginn des Jahres von einer Rekordnachfrage von 500 Millionen Ticketanfragen schwärmte und alle WM-Spiele als ausverkauft verkündete, sorgten leere Ränge bei der Partie Südkorea gegen Tschechien für Stirnrunzeln. Die FIFA wehrt sich nun gegen die Vorwürfe und verteidigt die angegebene Zuschauerzahl.
Die fifa beharrt auf ihren zahlen
Laut der FIFA spiegele die angegebene Zahl von 44.985 Zuschauern beim Spiel in Guadalajara „die Anzahl der gescannten Eintrittskarten sowie der tatsächlich innerhalb des Stadiongeländes anwesenden Zuschauer wider“. Dabei betonte der Weltverband, dass es sich nicht um eine „visuelle Einschätzung der Sitzplatzauslastung zu einem beliebigen Zeitpunkt während des Spiels“ handle. Die Kapazität des Stadions beträgt 45.664 Plätze, was die Diskrepanz noch deutlicher macht. Einige tausend Sitze blieben auf Höhe der Mittellinie unbesetzt.
Die FIFA versucht, die Situation mit einer Erklärung zu entschärfen: „Bitte beachten Sie, dass beim Spiel in Guadalajara mehrere Zuschauer mit gültigen Tickets dabei beobachtet werden konnten, wie sie sich in den Umläufen und Aufenthaltsbereichen des Stadions aufhielten, anstatt während der gesamten Partie auf ihren zugewiesenen Sitzplätzen zu bleiben.“ Diese Aussage wirft allerdings weitere Fragen auf: Warum kauften so viele Fans Tickets, um lediglich im Stadion herumzulaufen? Und warum wurde diese Praxis nicht im Vorfeld berücksichtigt?

Kritik an der ticketpolitik
Die Debatte um die Zuschauerzahlen ist nur ein Aspekt der Kritik an der FIFA-Ticketpolitik. Die teils exorbitant hohen Preise sorgten bereits im Vorfeld für Unmut. Vor allem bei Spielen mit Mannschaften aus kleineren Nationen sind zwar Karten erhältlich, doch die Begeisterung der Fans bleibt aus. Die FIFA arbeitet angeblich „eng mit den Stadionbetreibern und den Ticketteams zusammen, um sicherzustellen, dass alle veröffentlichten Zahlen auf verifizierten Betriebsdaten beruhen“, doch das Vertrauen in die Angaben des Weltverbandes ist merklich erschüttert.
Was die leeren Ränge wirklich bedeuten, bleibt offen. War es eine einmalige Erscheinung oder ein Hinweis auf tieferliegende Probleme mit der Ticketverteilung und der Begeisterung für bestimmte Spiele? Die FIFA muss sich derweil mit dem Imageschaden auseinandersetzen und erklären, wie sie in Zukunft sicherstellen will, dass die angegebene Zuschauerzahl tatsächlich mit der Realität übereinstimmt.
