Wm-schock für england: tuchel vor dem aus?
Dortmund – Der Traum vom WM-Titel für England droht zu platzen, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Nach dem glanzlosen Gruppensieg, der nur denkbar knapp gegen Panama sichergestellt werden konnte, steht das Team von Thomas Tuchel am Mittwoch vor einer echten Hürde: Der Sechzehntelfinal gegen die DR Kongo. Die Stimmung im englischen Lager ist alles andere als euphorisch, und die Kritik an Tuchel wächst.
Die defensive ist ein fass ohne boden
Der WM-Auftakt gegen Kroatien (4:2) ließ zwar Hoffnung aufkeimen, doch seitdem präsentieren die Three Lions eine Leistung, die viele Fans und Experten gleichermaßen enttäuscht. Die Defensive wirkt anfällig, das Mittelfeld agiert ohne Kreativität, und im Angriff fehlt es an Durchschlagskraft. Roy Keane, einstiger Kapitän der Nationalmannschaft, hält kein Blatt vor den Mund: „Ich glaube nicht, dass Tuchel eine Ahnung hat, wie seine beste Elf aussieht. Das ist nicht gut.“
Auch Gary Neville, ein weiterer TV-Experte und Ex-Nationalspieler, kritisiert: „Ich glaube nicht, dass Thomas Tuchel vom Feld geht und denkt, dass aktuell alles perfekt ist.“ Jamie Carragher, der in seiner Kolumne für den Telegraph schrieb, brachte es auf den Punkt: „England fällt nichts ein gegen eine Mannschaft, die tief steht und uns die Aufgabe stellt, etwas Magie für den Dosenöffner zu finden.“

Kane unter druck – fehlt die unterstützung?
Einmal mehr lastet die Hoffnung auf den Schultern von Harry Kane, dem Kapitän und Stürmerstar von Bayern München. Mit drei Treffern im bisherigen Turnierverlauf ist er der erfolgreichste englische Torschütze, und sein elftes Endrunden-Tor gegen Panama machte ihn zum englischen WM-Rekordtorschützen. Doch Kane kann nicht alles alleine entscheiden.
Die Kadernominierung Tuchels steht ebenfalls im Fokus der Kritik. Alan Shearer, Sturm-Ikone, bemängelt das Fehlen eines „Zauberers“, eines Spielers „mit dem X-Faktor, der ein anderes Profil hat als alle anderen“. Dass Cole Palmer, der im EM-Finale traf und Paris Saint-Germain bei der Klub-WM zerpflückte, zu Hause geblieben ist, wird als Fehler gewertet.
Tuchel versucht, die Ruhe zu bewahren und mahnt zur Geduld. „Das Turnier beginnt in der K.o.-Phase von Neuem. Je wichtiger die Spiele werden, desto stärker werden auch wir“, verspricht er. Doch die Aufgabe, die kritische Presse und die TV-Experten auf der Insel ruhig zu stellen, wird nicht einfacher. Die DR Kongo, die sich als einer von acht besten Gruppendritten in die K.o.-Runde qualifizierte, gilt keinesfalls als leichter Gegner. Das 1:1 gegen Portugal und der anschließende 3:1-Sieg gegen Usbekistan zeigten, dass die Afrikaner zu kämpfen und zu bestehen wissen.
Die Partie gegen die DR Kongo am Mittwoch (18 Uhr, LIVETICKER) wird entscheidend sein. Scheitert England bereits jetzt, droht Tuchel das Aus – und die englische Fußballnation muss sich erneut mit der Frage auseinandersetzen, wie man ein Team formt, das nicht nur Ergebnisse erzielt, sondern auch begeistern kann.
