Wm-reformen: zeitspiel-falle oder var-chaos?
Die Fußballweltmeisterschaft in Katar hat neuere Regeln und Verfahren eingeführt, um den Spielfluss zu verbessern. Doch statt für mehr Dynamik zu sorgen, werfen die Maßnahmen bereits jetzt Fragen auf – insbesondere im Hinblick auf die Einhaltung der Nettospielzeit und die VAR-Entscheidungen.
Nettospielzeit: erste bilanz ernüchternd
Patrick Ittrich, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter und heutiger Experte bei MagentaTV, zeigt sich wenig beeindruckt von den bisherigen Bemühungen, die Nettospielzeit zu erhöhen. „Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache“, kommentierte Ittrich im „Breakfast Club“. Bei Südkorea gegen Tschechien wurden lediglich 51 Minuten Nettospielzeit erreicht, bei Kanada gegen Bosnien-Herzegowina sogar nur 55 Minuten. Das Ziel der FIFA, 60 bis 63 Minuten zu erreichen, scheint in weiter Ferne zu liegen. Die Einführung von Countdowns bei Standardsituationen und klare Vorgaben für Spielerwechsel scheinen bisher wenig Wirkung zu zeigen.

Var-entscheidung in den usa: prozessfehler?
Doch das Zeitspiel-Problem ist nicht die einzige Kritik, die Ittrich übt. Besonders fragwürdig hält er die VAR-Entscheidung im Spiel der USA gegen Paraguay (4:1). Schiedsrichter Danny Makkelie hatte zunächst einen Foul von US-Verteidiger Tim Ream gepfiffen und Gelb gezeigt. Nach Intervention des VAR wurde die Entscheidung jedoch zurückgenommen, da sich herausstellte, dass Paraguays Miguel Almirón ohne Kontakt zu Boden gegangen war und eine Schwalbe begangen hatte. Ream wurde verschont, Almirón sah Gelb.
„Für mich liegt hier ein absoluter Prozessfehler vor“, erklärte Ittrich. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen den Zeitpunkt der Überprüfung. „Eine Überprüfung muss immer vor der Spielfortsetzung stattfinden. Genau das ist hier nicht geschehen. Nach einer Spielfortsetzung kann man im VAR-Protokoll nicht mehr eingreifen.“ Der Ablauf sei komplett fehlerhaft gewesen. Ob die FIFA diese Einschätzung teilt, bleibt abzuwarten.
Die Szene hat unmittelbar nach dem Spiel eine hitzige Debatte über die neue Regel ausgelöst, und es bleibt abzuwarten, ob die FIFA die notwendigen Anpassungen vornimmt, um die Fairness und Effizienz des Spiels zu gewährleisten. Die aktuelle Situation zeigt deutlich, dass die Einführung neuer Regeln nicht nur die Intention zählt, sondern auch deren korrekte Umsetzung im entscheidenden Moment.
