Wm-quali-start: dfb-frauen zerlegen slowenien – mühlhaus trifft direkt nach der pause

18 Minuten reichten. Dann stand Larissa Mühlhaus im Mixed-Zone-Licht, noch atemlos, das Trikot halb aus der Hose. „Ich kann es nicht in Worte fassen“, sagte sie und strich sich das Haar hinters Ohr – eine Geste, die verrät: Das hier war kein gewöhnlicher Debüt-Tag, sondern der Moment, auf den sie in jedem Training einen Stempel gedrückt hat.

Martinez statt anyomi – wück setzt auf tempo

Christian Wück hatte vorab angekündigt, Rotation als Waffe zu nutzen. Shekiera Martinez übernahm die Spitze, Camilla Küver rückt in die Viererkette, Vivien Endemann feierte nach 366 Zwangspause-Tagen ihr Comeback. Die Devise: Druck von Minute eins, kein Testspiel-Modus. Es funktionierte. Nach 120 Sekunden flackerte das erste Tor, in der 23. Minute hatte Deutschland den Gegner schon im Schwitzkasten. Zwischen den Pfosten der Slowinnen sah man eine Mannschaft, die mehr mit der Kamera als mit dem Ball beschäftigt war.

Die beiden aberkannten Treffer wegen Abseits? Nebensache. Der Videoschiedsrichter schaltete sich ein wie ein Lehrer, der der Klasse eine halbe Note abzieht – die Schüler hatten ohnehin schon die 1,0 in der Tasche.

Mühlhaus trifft – bremen feiert mit

Mühlhaus trifft – bremen feiert mit

Kurz nach Seitenwechsel dann die Szene, die am Freitagabend alle Gruppen-Chats dominierte: Lena Oberdorf schüttelt zwei Gegner ab, schickt Mühlhaus, diese lässt der Torhüterin die Hosen runter. 3:0. Die U23-Europameisterin fällt ihrem Coach um den Hals, 20.000 in Sinsheim erleben eine Standing-Ovation. „Technisch versiert, richtig getimed“, lobt Wück – und schiebt sofort nach: „Sie wird sich noch an die Geschwindigkeit gewöhnen müssen.“

Ein Satz, der klingt wie ein Versprechen: Der Bundestrainer plant mit ihr, nicht nur gegen Slowenien.

Norwegen wartet – kunstrasen, andere klinge

Norwegen wartet – kunstrasen, andere klinge

Samstag, 18 Uhr, Oslo. Kunstrasen unter den Stollen, Temperaturen um null Grad. Norwegens Ada Hegerberg hat sich ihre Arbeitsunfälle abtrainiert und die Torjäger-Instinkte wieder in die Wiege gelegt. „Wir müssen auf einem anderen Level agieren“, sagt Wück und meint damit: kein Gekicke, sondern Zahnbürste statt Lippenstift. Deutschland hat gegen die Skandinavierinnen zuletzt zweimal gewonnen – aber nie in der Quali, nie auf Kunstrasen, nie, wenn die Gegnerin den ersten Platz riecht.

Die Zahlen sprechen trotzdem für den Titelverteidiger: 14 Tore in den letzten drei Pflichtspielen, kein Gegentor seit 270 Minuten. Die Chancen für Mühlhaus, erneut zu kommen? „Wir schauen von Training zu Training“, sagt Wück und lächelt verschmitzt. Das ist Trainer-Deutsch für: Wer trifft, darf bleiben.

Die Rechnung ist einfach: Tore gegen Norwegen, und der Traum von Down Under wird Realität – ohne Rückfall in alte Muster, ohne Kunstrasen-Ausrede. Für Mühlhaus beginnt am Samstag die zweite Runde ihres Märchens. Die erste hat sie schon in Bronze gerahmt.