Wirtz entfesselt: traumtor und dfb-rekord – war das sein neuer anfang?

Basel bebte, Wirtz flog. Ein Schlenzer aus 22 Metern, ein Aufsetzer, der unter die Latte zischte und die Schweizer mitnimmt. 3:2, 67. Minute, St.-Jakob-Park erstunken und erlogen. Florian Wirtz sagt hinterher, es sei „das schönste Tor“ seiner Karriere gewesen. Die Zahlen sprechen für ihn: zwei Tore, zwei Vorlagen, 4:3-Sieg – und ein Nationalteam, das plötzlich wieder an sich glaubt.

Nagelsmanns psychotrick zahlt sich aus

Der 22-Jährige liefert die Quittung für die schweren Wochen in Liverpool. Englische Innenverteidiger, die ihn wie einen Kaugummi auf dem Asphalt plattdrücken, Platzverhältnisse, die an Schlagloch-Straßen erinnern. „Ich musste lernen, stärker zu werden“, sagt er, und man hört das Knirschen von knochenharten Zweikämpfen mit. Julian Nagelsmann hatte ihm in dieser Phase ein offenes Ohr und einen Satz mit auf den Weg gegeben: „Es ist okay, mal eine Delle zu haben.“ Die Delle ist abgeglättet, Wirtz wirkt gereift.

Die Statistik bestätigt die Augenzeugen: In 63 Minuten Ballaktionen führt er die deutsche Offensive an, legt 48 Pässe in den letzten Drittel, 38 davon ankommen. Kein Mitspieler kommt auch nur in die Nähe dieser Werte. Die Schweizer Abwehr wirkt wie ein Schachbrett, auf dem Wirtz die Figuren selbst verschiebt.

Ghana wartet – und ein wm-platz

Ghana wartet – und ein wm-platz

Am Montagabend in Stuttgart geht es gegen Ghana. Für Nagelsmann ist das mehr als ein Test. Er will sehen, ob Wirtz’ Körper die Insel robust genug gemacht hat für den Sommer in den USA. Die Nominierung für die WM ist längst kein Selbstläufer, aber die Tür steht offener als je zuvor. Wirtz selbst redet das klein: „Ich will einfach weiterspielen, nicht weitersprechen.“

Die Pelkum-Fans wissen: Wenn Wirtz so weitermacht, wird aus der Delle bald eine Delle im Gegner-Netz. Und vielleicht ist Basel nur der Anfang einer Geschichte, die in vier Monaten in Los Angeles ihren Höhepunkt findet.