Wolfsburg versinkt im sumpf: 0:1 gegen bremen lässt den abstieg greifbar nahe
Der VfL Wolfsburg ist nicht mehr zu retten – zumindest fühlt es sich so an, seit Justin Njinmah in der 68. Minute die Kugel zum 0:1 unter die Latte drückte und die Volkswagen Arena in einen kollektiven Schock versetzte. Auf Platz 17, drei Zähler hinter dem Relegationsrang, tickt jetzt die Uhr nach Länderspielpause. Die nächste Chance auf einen Befreiungsschlag? Erst am 4. April in Leverkusen. Bis dahin müssen die Wölfe mit ihren Alpträumen leben.
Schwegler redet, die tabelle lügt nicht
Pirmin Schwegler stand nach Abpfiff wie angewurzelt im Mixed-Zone-Floodlight, das Hemd dunkel von Regen und Schweiß. „Bis es nicht mehr möglich ist, werden wir weitermachen“, sagte der Sportdirektor mit jener Stimme, die zwischen Kampf und Resignation schwankt. Die Worte klingen tapfer, aber die Zahlen sind skrupellos: zehn Spiele ohne Sieg, 21 Punkte aus 26 Partien, ein Torverhältnis, das sich seit Wochen nach unten arbeitet. Die Mannschaft, einst für Champions-League-Träume gebaut, rutscht Richtung zweite Liga – und niemand traut sich mehr, das Wort „Saisonziel“ auszusprechen.
Dieter Hecking bekam sein Heim-Debüt – und sofort das volle Desaster serviert. Der 59-Jährige, der vor sieben Jahren noch mit Gladbach Aufstiegsrunden feierte, wirkte wie ein Mann, der mitten in der Nacht seinen Autoschlüssel sucht. „Die Mannschaft weiß, wie der Weg sein kann“, sagte er, aber der Weg ist ein Kreisverkehr ohne Ausfahrt. Die Spieler verloren nach dem Gegentor 23 von 24 Zweikämpfen, schossen keinen einzigen Schuss aufs Tor – Statistiken, die selbst Zweitliga-Absteiger sich sparen.

Die kabine riecht nach angst
Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine – außer, die Mauern sind so dünn wie der Glaube. Insider berichten von schweigenden Profis, die sich beim Duschen nicht anschauen. Kapitän Maximilian Arnold versuchte noch Anfeuerungsrufe, doch die gingen im Gegröle der mitgereisten Bremer unter. Der VfL spielt nicht nur schlecht, er spielt wie gelähmt. Die Automobil-Stadt, sonst stolz auf PS-Zahlen, zittert um den Klassenverbleib.
Am Sonntag schaut Wolfsburg zum Fernseher: Stuttgart gegen Bochum, Union gegen Heidenheim. Jeder Punkt der Konkurrenten nagt an der ohnehin bröckelnden Moral. Die Länderspielpause wird zum seelischen Spagat: Erholung versus Selbstverachtung. Wer kein Nationalspieler ist, darf mit dem Fitnesscoach Einzeltraining absolvieren – allein mit den Gedanken an Leverkusen, wo Xabi Alonsos Bayer-Pressing schon auf die nächste Punktemahlzeit lauert.
Die Saison neigt sich dem Ende zu, aber für die Wölfe beginnt jetzt schon der Endspielmodus. Drei Punkte Rückstand klingen nach Hoffnung, fühlen sich aber an wie zehn. Wer nicht endlich trifft, wird getroffen – von der Realität des Abstiegs. Und die wartet schon mit Koffer und Abstiegsklatsche am Stadionausgang.
