Wolfsburg steckt im todeskreisel – abstieg würde löhne um 35 prozent kürzen
Im Volkswagen-Stadion herrschte wieder dieses dumpfe Gefühl: 0:1 gegen Werder, leere Ränge, leere Blicke. Der VfL Wolfsburg taumelt mit sieben Punkten Rückstand auf das rettende Ufer Richtung 2. Liga – und muss jetzt doppelt kalkulieren.
Gehaltsstufe zweite liga: 35 prozent weniger für eriksen und co.
Die Zahlen sind gnadenlos. Steigt der Klub ab, fallen rund 70 Millionen Euro TV-Geld weg, Sponsorengelder schrumpfen, der Ticketumsatz bricht ein. Konsequenz: Jeder Profi rutscht automatisch in die nächste Gehaltsstufe – minus 35 Prozent. Christian Eriksen, Kapitän und mit 34 Jahren eigentlich auf der Zielgeraden, müsste für 2,6 statt vier Millionen ran. Die Klausel steht in jedem Vertrag, ausgehandelt von Ex-Manager Peter Christiansen, der am Montag freigestellt wurde.
Die Personalie ist brisant. Nur neun Akteure laufen 2025 noch sicher in Wolfsburg auf. Jonas Wind, gerade wiedergekommen, will weg. Kevin Paredes lehnte bereits ein Angebot ab. Jeanuel Belocian kehrt ohne Kaufoption zu Bayer zurück, Jesper Lindström, Adam Daghim und Jenson Seelt kann sich der VfL künftig nicht mal in der Zweiten leisten. sportlicher Leiter Pirmin Schwegler und Aufsichtsrat Diego Benaglio arbeiten an zwei Excel-Tabellen gleichzeitig – eine für Bundesliga, eine für 2. Liga.

Benaglio will nicht vom relegationsplatz runter
„Wir glauben bis zur letzten Sekunde“, sagt Benaglio, der sich seit Christiansens Rauswurf noch näher an die Mannschaft herangeschoben hat. Realistisch ist Platz 16, drei Punkte vor St. Pauli. Die Kiezkicker empfangen heute Freiburg, Wolfsburg muss am Samstag in Leipzig gewinnen, um den Anschluss nicht zu verlieren. „Weil wir mehr Punkte holen als die anderen“, antwortete Eriksen auf die Frage, warum der VfL nächste Saison erstklassig bleibt. Es klang nach Selbsttherapie.
Der dänische Playmaker ist dabei das Paradebeispiel für den Zwickel, in dem der Klub steckt. Verkaufen kann ihn niemand, sein Marktwert sank auf fünf Millionen. Bleibt er, spielt er zur Halbierung seines Gehalts in einer Liga, die ihn vor zwei Jahren nicht mal auf dem Zettel hatte. Die Alternative: mitmachen, aufsteigen, wieder vier Millionen verdienen. Eine Saison voller Paradoxien.
Wolfsburg war einmal Dauerteilnehmer fürs internationale Geschäft, jetzt zählt jeder Punkt wie ein Sechser im Lotto. Der Abstieg wäre nicht nur sportlich ein Desaster, sondern würde die ganze Gehaltsstruktur des Klubs in Frage stellen. Kein Spieler wird diesen Sommer für großes Geld weggehen, die meisten sind zu teuer für die Zweite, zu schwach für die Erste. Der VfL steckt in der Falle – und die Uhr tickt mit jedem Schlusspfiff lauter.
