Wernigerode patzt 3:3 und bleibt trotz neun punkten in gefahr

Florian Mehr schaut auf den Rasen, atmet durch, schüttelt den Kopf. Sein FC Einheit Wernigerode führt 70 Minuten lang 3:1 gegen Budissa Bautzen, am Ende steht ein 3:3 – und die Gewissheit, dass der Klassenerhalt in der Oberliga NOFV-Süd noch längst nicht sicher ist.

Elfter platz reicht nicht – die luft ist dünn

Die Zahlen sind gnadenlos. Vier Unentschieden holte Wernigerode in dieser Saison, in allen kassierte die Mannschaft nach Führung noch den Ausgleich. Nur zweimal blieb das Tor ohne Einschlag: beim 3:0 in Bautzen und beim 2:0 gegen Rudolstadt. „Wir schenken Gegentore weg, als gäbe es ein Sonderangebot“, sagt Mehr. Der Trainer, 35, Analytiker mit Leib und Seele, hat sich vor der Saison vorgenommen, seine Elf flexibler zu machen. Doch die Defensive wackelt, die Chancenverwertung auch. Elf Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge klingen nach Polster, wirken nach dem Rückrundenauftakt wie Papier.

Die Winterpause brachte drei Spiele, drei Gesichter. Der souveräne 2:0-Heimsieg gegen Rudolstadt, die 0:3-Demontage beim Spitzenreiter Freital, nun das 3:3 gegen Bautzen. „Leichtfertig“, nennt Mehr die letzten zwanzig Minuten, als seine Abwehr die Linie verlor und Bautzens Sturm den Platz verwandelte in einen Strafraum, den niemand mehr verließ.

Treus neue rolle bringt tore – aber keine sicherheit

Treus neue rolle bringt tore – aber keine sicherheit

Ein Lichtblick: Niclas Treu. Der Winter-Rückkehrer war früher Außenverteidiger, jetzt spielt er im offensiven Mittelfeld und traf dreimal in den ersten drei Partien des Jahres. „Er schlägt Standards, schlägt Löcher, schlägt ein“, sagt Mehr. Doch selbst Treus Trefferkonto kann die 18 Gegentore nicht auslöschen, die Wernigerode nach 14 Spielen kassiert hat – nur vier Vereine der Liga sind schlechter.

Am Sonntag geht’s nach Halle. Der VfL ist technisch versiert, spielt wie ein Schachclub mit Stollenschuhen. Im Hinspiel gewann Wernigerode 1:0, ließ kaum Chancen zu. „Wir müssen wieder so kompakt stehen, aber diesmal auch die Nadelstiche setzen, bevor sie uns aufspießen“, fordert Mehr.

Parallel laufen die Vorbereitungen für das 75-jährige Vereinsjubiläum. Vom 10. bis 12. April verwandelt sich der ehemalige DDR-Ligist in ein Festzelt, Hauptdarsteller ist das Heimspiel gegen VfB Auerbach. Doch bevor die roten Wimpel wehen, muss Wernigerode punkten – sonst wird das Jubiläum zur Abstiegsfeier.