Thw kiel schlägt im nordderby zurück – und schon kursiert der nächste superstar

25 Tage, drei Nordderbys, drei Siege. Die Zahlen wirken wie ein Schrei nach Normalität, doch die wahre Bombe platzte schon vor dem Anwurf. Als die Halle noch summte, verkündete Manager Victor Szilagyi den Transfer des Sommers 2027: Justus Fischer wechselt nach Kiel – und nicht irgendwann, sondern genau dann, wenn der Club wieder nach ganz oben greift.

Der 37:33-Sieg gegen die SG Flensburg-Handewitt war nur die Nebensache. Kiel hatte zuvor gegen Gummersbach und Stuttgart verloren, das Selbstvertrauen war angeknackst. Doch statt sich in Krisen-Talks zu verlieren, nutzte Szilagyi die Halbzeitpause, um die Zukunft zu entern. „Wir haben uns unglaublich lange um ihn bemüht“, sagte er am Mikrofon des Stadionsenders Dyn, „und jetzt haben wir ihn.“

Warum fischer so lange wollte und warum kiel trotzdem wartete

Fischer, 24, Rechtsaußen, Nationalspieler, gilt als nächstes großes Kapitel im deutschen Handball. Bayern München wollte ihn, Magdeburg auch. Doch Kiel setzte auf Geduld statt auf Geld. „Julian war auch mal nicht bereit“, sagt Szilagyi und spielt auf Ahlmann an, der heute Abend mit neun Toren glänzte. „Wir blieben im Kontakt. Das zahlt sich aus.“

Der Deal ist ein Lehrstück in Sacht Transferpolitik: kein Gezerre um Ablösesummen, kein Theater um sofortige Leistung. Stattdessen ein Pakt auf Zeit. Fischer bekommt zwei Jahre, starting 2027, und das Versprechen, in einem Team zu spielen, das sich neu erfindet. Magnus Landin wird dann nicht mehr da sein, dafür aber vielleicht Vincent Büchner.

Der linksaußen, der kein geheimnis mehr ist

Der linksaußen, der kein geheimnis mehr ist

Büchner, 23, ThSV Eisenach, 72 Tore in dieser Saison, Linkshänder, Tempo wie ein Flugzeug. Sein Name fällt in Kiel seit Wochen in jedem zweiten Satz. Szilagyi weicht nicht aus, er spielt mit offenen Karten: „Wir haben eine Position offen. Wir wollen einen Topspieler, der uns besser macht. Das werden wir verkünden.“

Es klingt wie ein Satz, der schon morgen wahr werden könnte. Denn der THW arbeitet nicht in Sommerfenstern, sondern in Etappen. Fischer war Schritt eins. Büchner wäre Schritt zwei. Und dann? Vielleicht ein neuer Innenblock, vielleicht ein neues System. Trainer Filip Jicha testete gegen Flensburg eine 5-1-Deckung, die die Gäste in der ersten Hälfte zerlegte. Nach der Pause schalteten die Norddeutschen auf 3-2-1-um, plötzlich lief alles über Sander Sagosen. Der Norweger traf achtmal, ließ zwei Kreisläufer alt aussehen und sagte hinterher: „Wir haben gelernt, dass wir auch ohne Duvnjak gewinnen können.“

Die lektion des abends

Die lektion des abends

Die Lautstärke in der Sparkassen-Arena war ein Messwert für Zustimmung. 10.285 Zuschauer, keine freie Karte, dazu ein Gegner, der normalerweise als Maßstab gilt. Doch diesmal war Flensburg nur Nebenfigur. Die Geschichte schrieb Kiel – und das nicht auf dem Feld, sondern an der Leine. Szilagyi nutzte die Halbzeit, um ein Signal zu setzen: Wir sind nicht die Krise, wir sind die Antwort darauf.

Die Tabelle? Erster Platz, zwei Punkte Vorsprung. Egaler. Wichtiger ist das Gefühl, dass der Club wieder steuert statt reagiert. Am Ende stand eine Zahl, die lauter war als jedes Tor: 2027. Das Jahr, in dem ein neues Kapitel beginnt – und vielleicht schon das nächste Nordderby. Dann mit Justus Fischer. Und vielleicht mit Vincent Büchner. Kiel hat sich Zeit genommen. Jetzt nimmt es sich die Zukunft.