Swiss-ski wirft drei läuferinen raus – ihre antwort ist ein schwur
Crans-Montana 2022 ist nur ein Fotoalbum. Priska Ming-Nufer, einst Siegerin auf der Piste, die sie liebt, bangt um ihre Existenz. Ein Meniskusriss, sieben Rennen zu früh, reicht, um sie aus dem Kader zu kicken. 34 Jahre, null Toleranz.
Verletzung als kündigungsgrund
Die Formkurve zeigte nach oben, das Knie nach innen. Platz 23 in St. Morientz war ihre einzige Spitze in zehn Speedläufen – zu wenig für Swiss-Ski, zu viel für ihre Rechnung. Die Quali zum A- oder B-Kader verpasst, das Comeback beginnt im leeren Training. „Heim-WM 2027“ hat sie sich auf die Brust geritzt, nicht auf die Startliste.
Nicole Good kennt die Routine. Seit Jahren humpelt sie von einem Comeback zum nächsten Malheur. Rang 21 in Copper Mountain klingt nach Statistik, ist für sie Triumph. Trotzdem: Rang 51 im Weltcup, Rang 21 im Europacup – die rote Linie ist Schwarz-Weiss definiert. Ohne Top-15 im EC bleibt sie draußen, egal wie viele Schmerzmittel sie schluckt.

Simone wilds solo endet im niemandsland
Die Zürcherin musste sich schon letzten Winter selbst finanzieren. 26. und 29. im Weltcup sind keine Argumente, sondern Arbeitslosmeldungen. Europacup-Top-3? Fehlanzeige. Für Wild steht die Frage nicht mehr „Ob“, sondern „Womit“: Noch ein Privatkredit oder endlich Schluss?
Swiss-Ski rudert zurück. Hans Flatscher, Alpin-Direktor, beteuert: „Die Tür bleibt offen.“ Ein Satz, der klingt wie ein Türstopper. Tatsächlich kann die Selektionskommission nach Gefühl entscheiden – Potenzial statt Punkte. Ein Trost, der nicht zahlt.
Vanessa Kasper beweist, dass Ausnahmen gelingen. Nach Kader-Rauswurf schaffte sie den Olympia-Einzug und fährt nun in Hafjell Finale. Die Geschichte klingt wie ein Märchen, ist aber ein Einzelfall mit Bündner Durchsetzungskraft.
Ming-Nufer, Good und Wild müssen sich fragen, ob sie diesen Preis zahlen wollen. Trainingslager in Zermatt auf eigene Kosten, Physio selbst buchen, Material selbst schleifen. Der Verband schaut zu, die Rechnung kommt per Post.
Die neue Saison beginnt längst. Wer nicht im Kader steht, steht auf dem Abstellgleis. Und die Uhren in Crans-Montana ticken bereits Richtung 2027 – mit oder ohne sie.
