Sascha dum serviert bier statt bälle – und genießt jeden tropfen
65 Bundesliga-Einsätze, Alemannia Aachen, Energie Cottbus, MSV Duisburg – und jetzt: Essen, Hbf, Brauhaus. Sascha Dum, 39, stellt keine Flasche mehr in den Strafraum, sondern auf poliertem Holztresen. Der Ex-Bundesliga-Profi von Bayer Leverkusen kellert seit Kurzem in der „Rüttenscheider Alten Börse“, schwingt schwere Masskrüge und lacht über jeden Vergleich mit seiner früheren Arbeit.
„Brauhaus-lastig“ war schon die profizeit
„Keinen meiner Ex-Kollegen würde es überraschen, dass ich hier stehe“, sagt Dum im Interview mit Radio Essen. „Die Ernährung war schon während der Karriere sehr brauhaus-lastig.“ Der Satz klingt wie ein Running Gag, den er sich selbst erlaubt. Denn der Übergang war kein Absturz, sondern eine Entscheidung. Nach Stationen bei Schalke 04 II, Hertha Walheim und Teutonia Weiden landete er im Vertrieb – und merkte: „Da fehlte der direkte Draht zum Menschen.“
Also wechselte er auf die andere Spielfeldhälfte: Service statt Sprints, Bestellblock statt Spielbericht. „Solange mir das so viel Spaß macht, will ich auch nichts anderes machen“, sagt er. Kein Jammern über verpasste Millionen, kein Seufzen nach Rampenlicht. Stattdessen: „Manche Gäste wollen einen lockeren Spruch, andere perfekte Bedienung. Dann schicke ich halt jemand anderen.“ Er grinst, als hätte er gerade einen Gegenspieler mit einem Body-Check aus dem Weg geräumt.

Der zauber liegt im kleinen
Dum schätzt die Handarbeit. Teller balancieren, Bierdeckel zählen, Trinkgeld zählen – alles Quantitäten, die sich messen lassen. 65 Bundesliga-Spiele, 65 Mal Adrenalin. Heute zählt er 65 Biere am Abend und spürt dasselbe Kribbeln, wenn der Gast lächelt. „Ich habe gelernt, dass der Sport nicht aufhört, wenn die Bundesliga ruft. Er zieht sich durch jeden Job, der Leidenschaft erfordert.“
Die Gäste fragen nach Autogrammkarten, manche nach der 3. Liga. Dum liefert beides – und einen Kurzen zum Nachspülen. Seine Arbeitskleidung: weißes Hemd, schwarze Schürze, Stolz. Keine PR-Berater, keine Social-Media-Manager. Nur er, das Bier und die Erkenntnis, dass Professionalität nicht vom Gehaltsscheck abhängt.
Am Ende der Schicht zählt er keinen Punkteschnitt, sondern volle Gläser und leere Tresen. Seine Karriere-Statistik: 65 Bundesliga-Spiele, unzählige Hände geschüttelt, heute rund 200 Gäste pro Abend bedient. Und er ist noch lange nicht fertig. „Ich bin 39, nicht 89“, sagt er und wischt Bierfilz vom Tresen. „Solange die Knie halten und der Zapfhahn läuft, bleibe ich auf dem Platz.“
