Salzburg jagt die meistergruppe: pavlovics letzter trumpf gegen austria
Im Getümmel des Grunddurchgangs bahnt sich ein heimliches Endspiel an. Red Bull Salzburg, Tabellenfünfter, hat drei Spielzeiten Zeit, die Top-4-Mauer zu sprengen – und beginnt Samstag um 13 Uhr mit dem härtesten Brocken: Leader Austria empfängt die Mozartstädterinnen in der Generali Arena.
Das restprogramm liest sich wie ein drehbuch für außenseiter
Ein Blick auf die Zahlen verrät die Dramatik. Salzburg holte aus den letzten fünf Partien 10 Punkte, kassierte dabei aber auch zwei Niederlagen. Die Bilanz gegen die direkten Konkurrenten: gewonnen gegen Altach, remis gegen Sturm. Das reicht nur, wenn Sturm strauchelt und Altach mindestens zweimal patzt. Die Grazer haben Hartberg und Südburgenland vor der Brust – vermeintlich leichtere Gegner. Die Vorarlbergerinnen reisen nach St. Pölten und empfangen Neulengbach. Kurz: Salzburg braucht einen Lauf, einen Kollaps der Konkurrenz – und natürlich den Sieg gegen Austria.
Trainer Dusan Pavlovic schwört seine Mannschaft auf die Außenseiterrolle ein: „Wir haben nichts zu verlieren, alles zu gewinnen. Austria ist das Maß aller Dinge, aber genau deshalb ist das ein Prüfstein mit Signalwirkung.“ Die letzte Begegnung endete 0:6 – ein Ergebnis, das laut Pavlovic „nicht einmal mehr als Lehrvideo taugt, sondern als Brandbeschleuniger für die Vorbereitung“.

Kenesei warnt vor dem underdog-effekt
Die Veilchen selbst wollen die Meisterschaft nicht mehr nur anpeilen, sondern sie einlösen. Stefan Kenesei mahnt trotz des Kantersiegs im Hinspiel: „Salzburg hat Qualität und vor allem Tempo in den Außenbahnen. Wenn wir zu langsam umschalten, bekommen wir Probleme.“ Für Austria winkt mit einem Sieg bereits die vorzeitige Fixierung des Grunddurchgangssiegs – und damit die Auswahl des Halbfinalgegners in der Meistergruppe.
Die personelle Lage spricht für die Wienerinnen: Elisa Pfattner erzielte im Hinspiel einen Dreierpack, ihre Formkurve zeigt nach wie vor nach oben. Salzburg muss auf Marion Wöber verzichten, die Innenverteidigerin laboriert an einer Syndesmose. Für Nachwuchskeeperin Lisa Eder winkt vor heimischer Kulisse der erste Bundesliga-Einsatz – ein Debüt unter Hochspannung.
Die rechnung ist simpel, die ausführung teuflisch
Gewinnt Salzburg gegen Austria, verkürzt sich der Rückstand auf Sturm auf einen Punkt. Gleichzeitig muss Altach patzen. Verliert Salzburg, ist die Meistergruppe so gut wie ausgeschlossen. Ein Remis reicht nicht – schon deshalb, weil das Torverhältnis mit +9 deutlich schlechter ist als das der Konkurrenten. Die Salzburgerinnen müssen also nicht nur siegen, sondern auch Tore schießen. Pavlovic: „Wir fahren nicht nach Wien, um 1:0 zu gewinnen. Wir fahren hin, um mit breiter Brust in die Meistergruppe zu marschieren.“
Für die Liga selbst wäre ein Sturmzug der Bullen ein Novum: Noch nie schaffte ein Club außerhalb der traditionellen Top-3 den Sprung in die Meistergrunde. Die Marketingabteilung des ÖFB hätte plötzlich ein neues Narrativ – und die Spielerinnen ein zusätzliches Preisgeld, das laut Interner Richtlinie bei Platz vier 35.000 Euro beträgt. Für Salzburg also nicht nur Sport, sondern auch Kasse.
Kick-off Samstag, 13 Uhr, live auf kicker. Wer die Veilchen blühen sieht, erlebt möglicherweise den Beginn einer kleinen Sensation. Wer Salzburg jubeln hört, weiß: Der Kampf um Platz vier ist längst nicht entschieden.
