Reiter knallt bayern: rücktritt nach 90.000-euro-eklat – wer übernimmt jetzt?

Münchens OB Dieter Reiter ist weg beim FC Bayern. 23 Tage saß der 67-Jährige im Verwaltungsbeirat, jetzt flattert seine schriftliche Rücktritts-Erklärung durch die Geschäftsstelle an der Säbener Straße. Auslöser: ein Disziplinarverfahren wegen 90.000 Euro Nebeneinkünfte, die er nie beim Münchner Stadtrat anmeldete. Die Regierung von Oberbayern prüft, der Rekordmeister sucht einen neuen Chef – und könnte erstmals eine Frau auf diese Machtposition setzen.

Der sturz: 10.000-euro-grenze, keine genehmigung, sofortiger rückzug

Beamte dürfen in Bayern nur dann 10.000 Euro und mehr nebenher verdienen, wenn der Stadtrat zustimmt. Reiter unterschrieb beim FC Bayern einen Vergütungsvertrag über 30.000 Euro jährlich, kassierte laut Klubangaben bereits drei Raten à 30.000 Euro – und schwieg gegenüber der Kommune. Als die Story in einer Wahlkampf-Broschüre der Grünen auftauchte, reagierte die Staatskanzlei binnen 24 Stunden. Reiters Erklärung: „Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner ist mir wichtiger als Mandate oder Vergütungen.“ Die 90.000 Euro will er spenden, an wen, steht noch offen.

Der Schaden für den Klub hält sich in Grenzen. Die Satzung verlangt neun bis 15 Mitglieder im Verwaltungsbeirat – aktuell sind es zwölf. Die Mehrheit der Aufsichtsrats-Posten bleibt stabil, doch der Vorsitzende des Verwaltungsbeirats ist automatisch „geborenes Mitglied“ im Kontrollgremium der AG. Diese Verzahnung war einst Hoeneß’ Versicherung, dass der eingetragene Verein auch künftig das Sagen behält. Jetzt steht diese Konstruktion ohne Pilot da.

Die nachfolge: alexandra schörghuber als erste dame im machtzirkel?

Die nachfolge: alexandra schörghuber als erste dame im machtzirkel?

Intern gilt Alexandra Schörghuber als Favoritin. Die 67-jährige Unternehmerin und Witwe des Immobilien-Magnaten Josef Schörghuber sitzt seit 2010 im Verwaltungsrat, ist stellvertretende Vorsitzende und genießt Ruf. „Sie kennt die Mechanismen, sie respektiert man auch außerhalb der Vereinsgrenzen“, sagt ein Aufsichtsrats-Kollege. Noch hat sie nicht Ja gesagt – interne Runde, Rummenigge, Hainer und Hoeneß wollen sie diese Woche sprechen. Sollte sie zustimmen, wäre sie die erste Frau im Aufsichtsrat der Bayern, ein Novum nach 64 Jahren AG-Geschichte.

Alternativen gibt es: Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen oder Präsidiums-Vize Dieter Mayer gelten als kampferprobt, aber beide wären Lösungen auf Zeit. Die Mitgliederversammlung im November wählt ohnehin einen neuen Verwaltungsbeirat – dann könnte sich das Kräfteverhältnis neu ordnen. Die Tagesgeschäfte laufen unbeeinträchtigt, doch die Symbolik ist brisant: Mitten in die heiße Phase der Saison rutschen die Münchner in eine Führungskrise, die nicht einmal der sportliche Sieg gegen Mainz am Sonntag überspielen kann.

Reiter selbst bleibt OB-Kandidat, die Wiederwahl am 22. März gilt als wahrscheinlich. Doch im Klub ist er ab sofort persona non grata. Die 90.000 Euro hat er laut Bayern-Sprecher bereits zurücküberwiesen – per interner Bankverbindung, ohne Begleitschreiben. Ein Schlussstrich, der nicht einmal 23 Tage dauerte.