Rangnicks öfb-zukunft verzögert sich – april wird zur schicksalswoche
Der Countdown läuft, aber die Entscheidung wartet. Ralf Rangnick wird auch gegen Ghana und Südkorea auf der Bank sitzen, doch ob er danach weiter das österreichische Nationalteam coacht, wissen selbst die Beteiligten noch nicht.
ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel schickt trotzdem ein Signal nach Marbella: „Ich bin sehr optimistisch, dass es für uns in die richtige Richtung geht.“ Dahinter steckt ein Mix aus Selbstvertrauen und Pokern. Die Vertragsverlängerung des 67-jährigen Deutschen sollte ursprünglich vor der Weltmeisterschaft unter Dach und Fach sein, doch die Gespräche zwischen Aufsichtsratschef Josef Pröll und Rangnick ziehen sich wie ein Bundesligaspiel in der Nachspielzeit.
Warum april die nächste zäsur wird
Die beiden Testspiele sind laut Schöttel „wichtige Stimmungsbilder“, keine Endscheidungsmaschine. Trotzdem: Erst nach dem Schlusspfiff gegen Südkorea will der Verband die Karten neu mischen. „Manche Dinge muss man sich gut überlegen, und sie brauchen auch Zeit“, sagt Schöttel und unterstreicht damit, dass die ÖFB-Führung die Kuh lieber melkt, bevor sie trampelt.
Die innere Chronik spricht Bände. Rangnick ist seit Mai 2022 an Bord, sein Vertrag läuft nach der WM in Nordamerika aus. Ein vorzeitiger Neuanfang würde dem ÖFB Planungssicherheit geben, doch der Coach selbst betont gelassen: „Kein übermäßiger Zeitdruck.“ In Klubkreisen würde man das als Ablöse-Poker interpretieren; im Nationalteam heißt es einfach: Machtverhältnisse neu vermessen.
Dabei bereitet sich der Kader bereits mit Blick auf das Turnier auf. In Marbella testet Lars Kornetka, zukünftiger Chefcoach von Eintracht Braunschweig, die WM-Version seiner Assistenz-Rolle. Er kommt verspätet, weil Zweitliga-Alltag ruft, doch Schöttel versichert: „Er wird vom ersten Tag der Vorbereitung bis zum letzten Spiel dabei sein.“ Eine Deadline, die feststeht – anders als die über Rangnicks Weiterarbeit.

Politik und sport: die wm wird zur schimäre
Zwischen den Zeilen sickert auch die Frage nach der Teilnahme des Irans an der Endrunde. Sanktionen, Boykottdebatten, geopolitische Erschütterungen – Schöttel nennt es „eine schwierige Situation“, doch er verweist auf Prölls Linie: Keine voreiligen Rückzieher. „Wir konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen können“, sagt er und meint damit auch Rangnicks Vertrag.
Die Kaderplanung läuft parallel. Neue Gesichter wie Matthias Seidl von Sturm Graz oder Nikolas Veratschnig vom VfL Wolfsburg sollen sich beweisen. Schöttel schwärmt von einem „guten Gerüst“, das man nun „verfeinern“ will. Die Botschaft: egal wer auf der Bank sitzt, die Marschrichtung steht. Doch ohne Rangnick verliert diese Rhetorik an Schärfe.
Ein April-Termin klingt harmlos, ist aber ein Kraftakt. Nach der Länderspiel-Doppelbelastung folgt die internationale Länderspielpause, dann tickt die Uhr bis zur WM-Vorbereitung. Sollte Rangnick „Nein“ sagen, muss der ÖFB binnen Wochen einen Nachfolger präsentieren, der dieselbe Spielphilosophie transportiert und gleichzeitig die Qualifikation für die Euro 2028 im Blick behält.
Die Fans warten, die Spieler auch. Kapitän David Alaba betonte jüngst, „Kontinuität sei das A und O“. Kontinuität beginnt aber mit einem unterschriebenen Vertrag. Solange der nicht liegt, bleibt Rangnick mehr als nur ein Trainer – er ist das personifizierte Fragezeichen der österreichischen Fußballzukunft.
Bis April haben alle Seiten Zeit, sich die Antwort zurechtzulegen. Danach wird klar sein, ob Rangnick die rote weisse Reise über 2024 hinaus fortsetzt – oder ob der ÖFB erneut einen Neuanfang wagen muss. Die Uhr tickt. Und sie tickt laut.
