Öl kostet 100 dollar – und die autowelt hält den atem an
Der Blick auf die Rohölbörse wird zur Zitterpartie: Mit 102 Dollar je Barrel notiert der Brent am 17. März um 13.15 Uhr wieder in der Dreistelligkeit, US-Öl (WTI) folgt bei 95 Dollar. Der Auslöser ist derselbe wie seit Wochen: der Nahostkonflikt. Doch diesmal schlägt die Preiswelle direkt in die Motorenwelt durch.
Die hormuz-bremse zieht wieder
Etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasbedarfs passiert täglich die 34 Kilometer enge Straße von Hormuz. Kaum Tanker-Bewegung, kaum Nachschub – und schon steigt die Angst vor Sprit- und Strompreis-Treibgut. Die Folge: Super kostet in Deutschland im Schnitt 1,93 Euro, Diesel 1,82 Euro, Tendenz steil nach oben. Wer jetzt einen Neuwagen bestellt, zahlt laut DAT-Report schon 350 Euro mehr für den Einbau von Abgas- und Katalysator-Systemen, weil die Materialkosten mit dem Ölpreis gekoppelt sind.
Die Industrie reagiert sofort. Volkswagen stockt die Lager von E-Komponenten, weil die Luftfracht teurer wird. Audi verlagert die Produktion der neuen A2-Elektro-Version von Ingolstadt nach Neckarsulm, um Logistik-Kilometer zu sparen. Kleiner Zulieferer Dräxlmaier kündigte Kurzarbeit an, weil Kabel und Kunststoffe 23 Prozent teurer werden. Die Kette beginnt zu rattern.

Vergessen wir nicht: vor einem monat kostete öl 30 dollar weniger
Am 27. Februar, einen Tag vor dem US-israelischen Angriff auf iranische Ziele, lag der Brent noch bei 72 Dollar, WTI bei 66. Die 40-Dollar-Differenz wirkt wie ein Börsencrash in Zeitlupe. Jede weitere Eskalation im Golf treibt die Marke nach oben, jede diplomatische Initiative könnte sie fallen lassen. Das macht Planung zum Glücksspiel.
Und die Kunden? Sie umschiffen das Risiko mit dem Fuß auf dem Akku. PHEV-Bestellungen bei BMW und Mercedes kletterten seit Januar um 38 Prozent, reine Elektroautos um 21. Doch die Wartelisten wachsen, weil Rohstoffe für Batterien – Lithium, Nickel, Kobalt – ebenfalls an den Ölpreis gekoppelt sind. Die Spirale dreht sich weiter.
Die nächsten Wochen entscheiden, ob die 100-Dollar-Marke zum neuen Normalpreis wird oder ob die Diplomaten die Ölfeuerzange wieder lösen. Bis dahin zahlen wir – und zwar nicht nur an der Tankstelle. Die Automobilbranche rechnet intern mit Mehrkosten von 4,7 Milliarden Euro für 2024, sollte der Preis über 90 Dollar bleiben. Das ist keine Prognose mehr, das ist ein Fakt, der gerade in die Kalkulationen einfließt. Wer jetzt einen Neuwagen will, sollte unterschreiben – oder eben ein Fahrrad nehmen.
