Michael esser packt es: bochums torwartpapst verabschiedet sich und gründet eigene schule
Am Montag fiel die Bombe im Revier: Michael Esser verlässt den VfL Bochum – freiwillig, aber mit einem Kloß im Hals. Nach 17 Jahren, zwei Karrieren und einem Sieg gegen BayernMünchen zieht der 38-Jährige den Stecker, um in Castrop-Rauxel eine Torwartschule aufzuziehen.
Von der jugend bis zur bundesliga – ein leben in schwarz-weiß
Esser kam 1999 als Jugendlicher, schlug sich 2008 als Profi durch, lebte zwischen Regionalliga und Bundesliga, schaffte den Sprung nach Graz, Darmstadt, Hannover und Hoffenheim – und kehrte 2021 zurück, als hätte die Castroper Straße einen Magneten ausgelegt. Drei Bundesliga-Spiele stehen in seinem zweiten Akt, das Denkmal: der 4:2 gegen die Münchner, Anfang Februar 2023, Esser zwischen den Pfosten, Bochum in Ekstase.
Doch die Legende war nicht mehr auf dem Rasen, sondern hinter ihm. Als Torwarttrainer schulte er Manuel Riemann & Co., polierte Reflexe, schärfte den Blick. Nun, nach drei Jahren, sagt er: „Es schließt sich ein Kreis.“

Der abschied ist kein rückzug, sondern ein angriff
Essers neue Herausforderung trägt keinen Vereinsnamen, sondern eine Adresse: Castrop-Rauxel. Dort will er künftig Nachwuchskeeper formen, „ohne dabei auf den Fußball zu verzichten“, wie er betont. Die Familie rückt in den Mittelpunkt, der Sport bleibt, nur die Bühne wechselt.
Pablo Thiam, Leiter des Leistungszentrums, zollt Respekt: „Bruno hat sich total mit dem VfL identifiziert – das Engagement wird mir fehlen.“ Ein Satz, der mehr aussagt als jede Statistik. Denn Esser war nicht irgendein Trainer, er war das Bindeglied zwischen Tribüne und Kabine, zwischen Erinnerung und Zukunft.
Der VfL verliert damit eine Institution, die man nicht mal eben ersetzt. Die nächste Generation von Bochumer Torhütern wird künftig nicht mehr im Leistungszentrum, sondern in Essers Halle trainieren – und das ist kein Nebenschauplatz, sondern eine Kampfansage an den Profifußball: Wir bilden selber aus, wir nehmen die Zukunft in die Hand.
Ein Abschied, der wehtut. Aber einer, der auch weitermacht.
