Mall explodiert: „das 1:3 war kein zufall, das ist unser saison-dna“
Joël Mall schlug die Hände vors Gesicht, aber die Kamera erwischte ihn trotzdem. „Extrem frustrierend“, zischte der Servette-Keeper, nachdem Basel ihn und seine Kollegen mit 3:1 in die Winterferien schickte. Das 0:1 kurz vor der Pause – ein Abpraller, ein Gewühl, ein Treffer – war für Mall kein Standardpech, sondern das Symptom einer Mannschaft, die sich selbst nicht mehr versteht.
Ein spitzenspiel, das keiner mehr erkennt
Noch vor zehn Monaten standen sich Basel und Servette als Top-Duo gegenüber; damals drohnten die Tribünen, heute klatschten nur noch vereinzelte Hände. Die Grenats rutschen auf Rang neun, die Bebbi hangeln sich auf Platz fünf – beide weit jenseits der eigenen Ansprüche. Was übrig bleibt, ist ein Gestammel aus Standards, zweiten Bällen und dem Gefühl, dass irgendwo die Schuhe glücklicher Gegner stehen.
Mall sparte nicht mit Details: „Wir haben hinten raus gespielt, alles lief sauber, dann kommt so ein Schlamassel. Das frisst Energie.“ Die Szene vor dem Seitenwechsel war symptomatisch. Servette hatte das Spiel, verlor die Kugel in der Vorwärtsbewegung, Basel konterte, der Schuss touchierte zwei Gliedmaßen – Mall war chancenlos. „Solche Tore kriegen wir in dieser Saison geschenkt, weil wir selbst unser Gegenpressing verschlafen.“

Zahlen, die wehtun
Die Statistik hinterher liest sich wie ein Seufzer: zwölf Schüsse aufs Basler Tor, nur drei davon auf das Gehäuse. Die Expected-Goals-Quote von 0,7 sagt alles – und nichts. Denn die eigentliche Geschichte steht in der Defensive: 24 Gegentore nach 16 Runden, das ist Abstiegszone, keine Europaplatz-Form. „Wir reden jede Woche über Umbruch, aber spätestens beim ersten Gegentreffer fällt uns die Angst in die Stiefel“, sagte Mall.
Kurz nach Wiederanpfiff erhöhte Metinho per sehenswertem Distanzschlag auf 2:0 – wieder eine Abwehr, wieder ein unhaltbarer Praller. Servette wirkte wie betäubt, erst der eingewechselte Bollaert erzielte den Anschlusstreffer, ehe Basel in der Nachspielzeit den Deckel draufsetzte. „Zweite Halbzeit zu wenig Druck“, monierte Mall. „Wir haben die Basler laufen lassen, statt sie zu zwingen, Fehler zu machen.“

Was jetzt?
Die Saison ist zur Hälfte durch, das Transferfenster klafft offen. Servette muss sich entscheiden: weitermachen mit dem vorhandenen Kader und dem Risiko, sich in der unteren Tabellenhälfte festzufahren – oder kurzfristig nachverpflichten, was den Teamgeist wieder auf Trab bringt. Mall will keine Ausreden mehr hören: „Wir können nicht immer sagen, es fehlt an Fortune. Irgendwann muss man sich selbst an die Nase fassen.“
Für die Fans bleibt die Erkenntnis, dass aus dem einstigen Spitzenspiel ein Mittelmaß-Duell geworden ist. Basel jubelte, aber selbst Trainer Köhnlein gab zu, „nicht souverän“ gewesen zu sein. Servette reist mit leeren Händen, dafür aber mit einem Keeper, der endlich offen spricht. Wenn das keine Wendung wird, weiß niemand mehr, was noch kommt. Die Tabelle lügt nicht: 16 Punkte nach 16 Spielen ist Relegationsplatz-Potenzial. Und Mall? Der steht weiter zwischen den Pfosten – und wartet darauf, dass endlich jemand vor ihm aufwacht.
