Lemgo bindet giganten-juwel willecke bis 2029 und verlangt nächsten schritt
Joël Willecke bleibt, wo er aufwächst. Der 2,04-Meter-Kreisläufer verlängert beim TBV Lemgo Lippe vorzeitig bis 2029 – und schickt damit ein Signal, das lauter ist als jedes Sommertheater auf dem Transfermarkt.
Kein wechselwirrwarr, sondern kontinuität
Erst im vergangenen Sommer stieg der 21-Jährige aus der 3. Liga ins Oberhaus hoch, da war Lemgo nur eine Zwischenstation. Nun wird sie zur Heimat. „Ich wollte keine Sandkasten-Mentalität, wo jedes halbe Jahr neue Gesichter auflaufen“, sagt Willecke. „Hier kenne ich meine Nebenleute, meine Gegenspieler, die Linien – das spart Millisekunden im Passspiel und Zentimeter im Positionskampf.“
Trainer Florian Kehrmann atmet auf. Er behält den jüngsten Abwehr-Blocker der Liga, der in 25 Spielen bereits 30 Tempogegenstöße abräumte und mit 52 Treffern die beste Rückraum-Quote aller TBV-Kreisläufer seit 2018 aufstellt. „Joël trägt noch keine 100 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, aber er blockt wie ein Routinier und wirft wie ein Punktegarant“, sagt Kehrmann. „Diese Mischung ist selten.“

Physik und kopf passen zusammen
Willecke bringt 108 kg auf die Waage, dazu eine Armlänge von 2,13 m – Zahlen, die ihn zum effizientesten Abwehr-Rammbock der HBL machen. Doch hinter den Daten steckt ein Klugheitsspiel: Der Essener studiert neben dem Training Sportökonomie und schreibt seine Hausarbeiten über Positionswechsel in der 3-2-1-Deckung. „Wenn ich verstehe, warum der Gegner dreht, weiß ich auch, wo er landet“, sagt er lachend.
Diese Mischung aus Muskel und Methode passt zum TBV-Konzept. Geschäftsführer Jörg Zereike spricht von „langem Atem“: „Wir verzichten auf Quick-Fix-Stars und bauen auf Spieler, die Lemgo verändern wollen – nicht nur ihr Instagram-Profil.“ Mit Willecke, Hendrik Wagner, Samuel Zehnder und Tim Suton haben bereits vier Leistungsträger bis 2029 unterschrieben. Die vierte Verlängerung binnen fünf Monaten – ein Serienrekord in der Club-Historie.

Die halle wird zum brennofen
Willeckes Lieblingsort ist die Phoenix-Contact-Arena. 4.200 Fans, dicht gedrängt, 120 Dezibel. „Wenn die Trommeln einsetzen, spüre ich meinen Puls im Fußboden“, sagt er. Dort will er bald die nächste Stufe nehmen: mehr Tempo nach vorne, weniger technische Fouls, Quote in der 50-Prozent-Marke beim Siebenmeterwurf. „Kreis ist kein Betonklotz mehr, sondern ein Ball-Garant. Ich will zeigen, dass Größe und Geschwindigkeit zusammenpassen.“
Die Liga reagiert. Gegner analysieren seine Vorzugs-Position zwischen Links- und Mittelblock, seine Timing-Sprünge bei Tempogegenstößen. Willecke kontert mit Extra-Training: drei Mal pro Woche 15 Minuten Sprung-Koordination, danach Video-Cut mit Kehrmann. „Ich will nicht der Nächste sein, der nach zwei Jahren durchrasselt. Ich will der Erste sein, der bleibt und Meister wird.“
Die Meisterschaft ist ein Traum, doch schon 2025 soll die Teilnahme am EHF-Cup stehen. Willecke lacht, als man ihn nach dem Zeitplan fragt: „Erst die Abwehr stabil, dann die Titel – so wie die Lemgoer das immer machen.“
Vertrag bis 2029 – ein Datum, das in Lemgo wie ein Versprechen klingt. Wer jetzt noch einen Wechsel erwartet, unterschätzt die Kraft der Kontinuität und die Coolness eines 21-Jährigen, der schon weiß, wo er in fünf Jahren stehen will: vorn, ganz vorn – und zwar mit dem TBV-Trikot über dem Herz.
