Krieg im iran lähmt auto-export: chinas fabriken stehen still
Seit dem US-israelischen Angriff auf Iran am 28. Februar droht Teheran Tankern im Hormus-Strich. Die Folge: Milliarden-Exporte asiatischer Autobauer sind blockiert, Lager füllen sich, Produktionsbänder laufen langsamer.
Die Zahlen sind hart. Allein Japan, Südkorea, China und Indien haben laut einer neuen Reuters-Analyse Fahrzeuge im Wert von über 37 Milliarden US-Dollar bereitstehen, die nicht verschifft werden dürfen. Der Grund: Versicherer verweigern Deckung für Ölrouten, die iranische Drohnen innerhalb von Minuten erreichen können. Wer garantiert einem 40.000-Tonnen-Frachter Schadenersatz, wenn eine Explosion im Schmalarm der Straße von Hormus die Luke aufreisst?

Die lager in yokohama sind voll, die kunden warten
Toyota hat die Auslieferung von 18.000 Einheiten der neuen bZ4X-Generation nach Europa gestoppt. Hyundai folgt: 12.000 Ioniq 6 stehen in Ulsan herum, die eigentlich nach Rotterdam rollen sollten. China? BYD musste den Start des Seal U in Deutschland um drei Wochen verschieben – nicht wegen Zulassungsproblemen, sondern weil die Schiffe nicht ablegen.
Die Kette ist simpel: Keine Komponenten aus dem Mittleren Osten, keine Fahrzeuge nach Europa. Lithium, Aluminium, seltene Erden – 34 Prozent der weltweiten Vorratsschiffe passieren Hormus. Blockiert die Route, stockt die Produktion. Die erste Welle trifft Batteriezellen, die zweite Alarmgase für Airbags, die dritte Lackieradditive. Lagerbestände reichen noch sechs Wochen, dann wird in München wie in Wolfsburg gedrosselt.
Die Antwort der Konzerne wirkt improvisiert. Statt auf große Containerschiffe setzen Hyundai und Kia auf Flugfracht – Kostenfaktor plus 600 Prozent. Toyota prüft eine 16.000-Kilometer-Umleitung über Kapstadt, das Kap Horn umgehend. Fahrzeit: 45 statt 25 Tage. Zusätzliche Kosten pro Fahrzeug: 1.200 Euro. Wer zahlt das? Die Kunden. In den Online-Konfiguratoren werden bereits Aufschläge von 400 bis 700 Euro für Modelle aus Asien einkalkuliert.
Und Deutschland? Die Bundesregierung berät über Krisenzulassungen für alternative Lieferwege, doch Genehmigungen brauchen Wochen. Bis dahin verteuern sich Importe aus Fernost um durchschnittlich 2,3 Prozent – ein Betrag, der sich auf Jahressicht auf 1,1 Milliarden Euro summiert, wenn die Blockade anhält. Die Gewinner heißen Stellantis und Renault: Ihre europäischen Werke laufen auf Hochtouren, um Lücken zu füllen.
Die Lage bleibt offen. Iranische Revolutionsgarden drohen mit „gezielten Aktionen“ gegen jedes Schiff, das US- oder israelische Häfen anläuft. Die Versicherungsprämien für die Strecke Dubai–Genua explodierten auf 250.000 Dollar pro Reise – vor zwei Monaten waren es 35.000. Solange keine diplomatische Lösung in Sicht ist, bleibt die weltweite Autobranche in Geiselhaft. Die Devise lautet: Lager aufstocken, Preise erhöhen, Kunden informieren – und hoffen, dass der nächste Tanker nicht zur Zielscheibe wird.
