Grischa prömel steht vor comeback: „wenn der fuß den platz überlebt, bin ich bereit“
Fünfeinhalb Monate lang war Grischa Prömel nur ein geduldiger Zuschauer. Seit dem Knöchelbruch im Training vor der Saison fehlt Hoffenhems erhoffte Kampfmaschine in der Defensive – und genau dort liegt das größte Problem der TSG. Nun meldet sich der 28-Jährige zurück, nur Tage vor dem Kellerduell in Leipzig.
Der härtetest in koblenz war keine show, sondern nackte notwendigkeit
70 Minuten absolvierte Prömel in der Regionalliga-Mannschaft der Hoffenheimer U 23. Ein halbes Spiel, das mehr aussagt als jeder Medizincheck. „Das ist schon etwas anderes als individuelles Training“, sagt er zum kicker. Der Untergrund in Koblenz war schwer, das Wetter mies, die Gegner ruppig. Genau das wollte der Trainerstab wissen: Hält das Sprunggelenk, wenn Schindluder getrieben wird? Die Antwort fiel positiv aus – und das könnte der entscheidende Schub für den Abstiegskampf sein.
Prömel lief 2023 ablösefrei von Union Berlin an den Kraichgau. Dort galt er als unverzichtbar: Spielintelligenz, Ballsicherheit, Zweikampfstärke. Die Hoffenheimer Leitung erhoffte sich eine ähnliche Wirkung. Doch schon im Sommertraining rutschte er mit Christoph Baumgartner zusammen, das Syndesmoseband riss, der Knöchel brach. Die Saison war gelaufen, bevor sie begann.

Die krise der tsg ist auch seine persönliche
Seitdem steht Hoffenheim auf dem Abstiegsplatz. Die Statistik ist gnadenlos: Ohne Prömel kassierte die Mannschaft 2,1 Gegentore pro Spiel, mit ihm waren es 1,3. Die Zahlen spiegeln genau das wider, was Trainer Pellegrino Matarazzo seit Wochen predigt: Die Balance fehlt. „Das Ding ist noch nicht durch“, sagt Prömel. Er spricht leise, aber bestimmt. „In der Bundesliga entscheiden Kleinigkeiten. Wer zu 99 Prozent dabei ist, braucht gar nicht anzufangen.“
Die Rückkehr fällt auf den Tag genau mit dem Duell bei RB Leipzig zusammen. Ein Ironie der Geschichte: Prömels erstes Bundesligaspiel nach dem Aufstieg mit Union Berlin bestritt er 2019 ebenfalls gegen Leipzig. Das Stadion, in dem er damals seinen Durchbruch feierte, wird nun Schauplatz seines Comebacks sein – wenn er im Kader steht.
Der Druck ist enorm. Die Fans fordern Befreiung, die Verantwortlichen reden von „Saison-Endspiel“. Prömel selbst schmunzelt nur, als er von der Bedeutung des Spiels gefragt wird. „Wahrscheinlich bleibt es bis zum Ende spannend.“ Keine Floskel, sondern Erfahrungswert. Er kennt die Bundesliga als Schlachtfeld.

Der blick geht schon nach stuttgart – und darüber hinaus
Das letzte Saisonspiel führt Hoffenheim zum VfB Stuttgart. Auch dort hat Prömel Geschichte geschrieben: Sein Tor im Mai 2021 bescherte Union die erste Europapokal-Qualifikation. Nun könnte er mit einem Sieg beim alten Rivalen den Klassenerhalt sichern. Zufälle gibt es selten im Fußball, nur bittere Symmetrien.
Prömel will sich nicht festlegen, wann er wieder von Anfang an spielt. Er spricht von „Schritten“ und „Momentaufnahmen“. Doch die Zeit drängt. Drei Punkte trennen Hoffenheim noch vom rettenden Ufer, die Konkurrenz aus Bochum und Mainz atemlos. Wenn der Fuß den Platz überlebt, sagt er, dann ist er bereit. Die Frage ist nur: Bereit für den Abstiegskampf oder für die 2. Liga? Die Antwort liegt an diesem Fuß – und an den nächsten 90 Minuten.
