Freiburg steht vor historischem europa-league-viertelfinale – doch der druck kommt von ganz woanders
Der SC Freiburg kann heute Abend gegen Genk das Viertelfinale der Europa League erreichen – ein Novum für den Club. Doch wer glaubt, die 0:1-Hinspielpleite sei das größte Problem, kennt die Zahlen nicht.
Die tabelle lügt nicht – und sie macht freiburg zum favoriten
203,1 Millionen Euro Umsatz lagen 2023/24 in der Schwarzwald-Arena an, Genk kam auf 92,7. Das Eigenkapital: 163,7 Millionen für Freiburg, 62,4 für Genk. „Wir sind diesmal kein Außenseiter“, sagt Sportvorstand Jochen Saier. Das klingt nach Selbstbewusstsein, ist aber auch eine Falle. Denn plötzlich gilt nicht mehr: Verlieren ist okay. Plötzlich gilt: Verlieren wäre ein Verdruß.
Die Folge: Das Europa-Park-Stadion ist trotz „K.-o.-Spiel mit Geschichte“ (Saier) nicht ausverkauft. 33 000 erwartet der Club, 1700 kommen aus Belgien. Die restlichen Plätze bleiben leer – ein Vorbote dafür, dass Erfolg auch Erwartungshaltung erzeugt, und Erwartungshaltung kann kalt machen.

Schuster fordert zweikampfhärte – und einen „großen abend“
Trainer Julian Schuster redet nicht um den heißen Brei herum: „Wir müssen besser in den Zweikämpfen sein, das war schon in Genk unser Problem.“ Dabei weiß er, dass seine Mannschaft in der Liga gegen Union Berlin drei Tage nach dem Hinspiel schon wieder 0:1 verlor. Die Heimserie riss, die Nerven liegen blank. „Nicht alles in Schutt und Asche reden“, warnt Kapitän Matthias Ginter.
Die Rechnung ist denkbar einfach: Freiburg hat in dieser Europa-League-Saison daheim vier Mal gespielt – und vier Mal gewonnen. Basel, Utrecht, Salzburg, Maccabi Tel Aviv – allesamt weggeschossen. Genk muss nun in diese Serie rein. „Wir haben die Chance, etwas zu erreichen, was wir noch nie erreicht haben“, sagt Saier. Das klingt nach Motivation, ist aber auch ein Schild, das vor der Tür hängt: Wer verpasst, ist selbst schuld.

Deutschland schaut mit – der koeffizient ruft
Nach dem Aus von Bayer Leverkusen ist Freiburg neben Bayern, Stuttgart und Mainz der letzte deutsche Punktesammler im Europapokal. Für die Bundesliga geht es um den fünften Champions-League-Platz 2026/27. Schuster weiß das: „Es wäre auch für Fußball-Deutschland wichtig.“ Saier spricht von „veränderten Ansprüchen“. Gemeint ist: Der kleine Freiburg ist längst groß – und muss sich jetzt auch so verhalten.
Die Mannschaft, das sagt Mittelfeldspieler Patrick Osterhage, spüre die Verantwortung. „Wir müssen die Fans mitnehmen.“ Die Fans ihrerseits müssen die restlichen Tickets mitnehmen. Um 18.45 Uhr rollt der Ball, dann zeigt sich, ob Zahlen auf dem Platz zählen – oder doch nur die, die auf der Anzeigetafel stehen.
